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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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Und war ihm auch blutiger SiegeSruhm Und Schlachtenglück nicht beschicken,

Es war kein schlechteres Heldentum,

Das er bewährt hat im Frieden!

Drum Achtung! Präsentiert das Gewehr Und lasset die Fahnen wallen!

Es scheidet ein Mann aus dem deutschen Heer,

Der war der Beste von allen!

Bei Ausbruch des Weltkrieges ließ sich der greise Feldmarschall zu seinem alten Generalkommando kommandieren, ritt leichtsinnig wie ein Leutnant mit seinem Ordonnanzoffizier, dem bekannten Industriellen Arnold Rechberg, vor der Front herum, ging viel in die Schützengräben, wo deralte Gottlieb" allgemein beliebt war. Nach der Marneschlacht hatte er schon erkannt, daß die große Chance des Weltkrieges von uns verpaßt war, weil wir aus Mangel an Nerven bei der Führung voreilig die Entscheidungsschlacht ab­gebrochen hatten. Im Jahre 1916 zog er sich ganz auf sein Gut zurück und ist dort Ende 1919 in aller Stille gestorben.

Mein Divisionskommandeur in meiner neuen Dienststellung in Mülhausen war der Generalleutnant Frhr. von Biffing, der spätere Generalgouverneur von Belgien. Ein scharfer Wind wehte in dieser Division. Bissing stellte sehr hohe Anforderungen an die Truppenkommandeure und fegte mit eisernem Besen alle hinweg, die er den Aufgaben nicht für gewachsen hielt. Deshalb herrschte unter seinen Untergebenen mehr Angst als Liebe. Und doch war der sehr temperamentvolle und von eigenen Gedanken erfüllte General ein taktischer Lehrmeister von hoher Qualität. Hier wurde mehr aus der Tiefe gefochten als bei Haeseler und auch auf strammes Exerzieren großer Wert gelegt. Auch ich habe in allen meinen Dienststellungen auf parademäßige Schulung gehalten, nicht als Selbstzweck, sondern als Erziehungsmittel. Die Notwendigkeit, sich auch nach anstrengenden Gefechtsübungen zum Schluß noch einmal beim Parademarsch aufs äußerste zu­sammenreißen zu müssen, entwickelt die Willenskraft jedes ein­zelnen. Jeder Sportsmann wird die moralische Seite dieses Systems verstehen.

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