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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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Schutztruppe in Südwestafrika ernannt. Ich fühlte mich sehr glücklich und auch etwas stolz. Mein Regiment bereitete mir einen herzlichen Abschied, an den ich dankbar zurückdenke.

Ich fuhr sofort nach Berlin, meldete mich beim Kaiser in Pots­dam und beim Generalleutnant von Trotha, der soeben zum Ober­kommandierenden der südafrikanischen Schutztruppe emannt worden war und schon in den nächsten Tagen die Ausreise antrat. Konferenzen im Kolonialamt und im Kriegsministerium beide Behörden teilten sich wenig glücklich und mit zahllosen hemmenden Reibungen in die Sorge um Südwestasrika gaben mir rasch einen Begriff von dem Berg von Schwierigkeiten, der zu überwinden war, noch ehe wir den ersten Herero zu Gesicht bekommen würden. Aber Schwierigkeiten sind ja dazu da, um überwunden zu werden.

Die Aufstellung des 2. Feldregiments aus Freiwilligen der Armee fand im Munsterlager statt. Neben organisatorischen Arbeiten und zeitraubenden Verhandlungen mit der Firma TippelS- kirch, die sich durch hohe Beziehungen eine Art von Monopol für die Ausrüstung der Schutztruppe zu verschaffen gewußt hatte ein sehr häßlicher Skandal war später die unausbleibliche Folge, ging der GesechtSdienst nach den Eigenarten des Kolonialkrieges und die Ausbildung der aus der Infanterie stammenden Frei­willigen im Reiten. Das ganze Regiment wurde als berittene Formation aufgestellt, und mancher brave Reitersmann wollte sich gar nicht an das wilde Tier zwischen seinen Schenkeln gewöhnen.

Die Stimmung unter den Freiwilligen war aber ausgezeichnet. Manche fühlten sich schon im Munsterlager alsrauhe Krieger" und fingen an,über den Zapfen zu streichen" und allerhand Unfug zu treiben. Vielleicht haben auch nicht alle Kompagniechefs nur solche Leute ziehen lassen, denen sie ehrliche Tränen nachweinten. Ich konnte aber keine Soldaten brauchen, die nicht die Selbst­disziplin als Grundlage jeder Kampftruppe anerkannten, und wollte auch nicht mit den Mitteln des Kasernenhofs frische Aben­teuerlust in kommissige Unterordnung verwandeln. Darum schickte ich ungeeignete Leute auf der Stelle zu ihren Regimentern zurück. Das half und hatte durchschlagenden Erfolg für die Mannszucht der anderen.

Um die Truppe auf die fremden Verhältnisse des Kolonial-

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