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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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Wir konnten noch von Glück sagen. Die See war verhältnis­mäßig glatt, und dieAachen" begann gleich mit dem Ausbooten. Von oben bis unten von Spritzern durchnäßt, erreichten wir den Pier und betraten afrikanischen Boden.

Natürlich hatte ich zahllose Fragen an die alten Südwestmänner zu stellen, die uns Greenhorns mit freundlicher Überlegenheit begrüßten. Die Sandwüste, deren Anblick uns vom Schiff aus so enttäuscht hatte, ist die Namib, ein durchschnittlich 60 kni tiefer Wüstengürtel, der sich längs der ganzen Küste hinzieht. In seinem südlichen Teil, in der Gegend von Lüderitzbucht, birgt er einen kost­baren Schatz, die Diamantfelder.

Von der Namib steigt das Land terrassenförmig nach dem Innern zu einem Hochland von 1000 bis 2000 m an, das die Mitte der Kolonie ausfüllt und mit seiner verhältnismäßig reichlichen Vegetation an Gräsern und Sträuchern für Farmen brauchbar ist. Nach Osten fällt dann das Höhengelände allmählich zurKalahari" ab, einer wasserarmen Steppe, die das östliche Drittel der Kolonie einnimmt. DaS ganze Gebiet ist einundeinhalbmal so groß wie Deutschland.

Der Aufstieg von der Küste zum Hochland zeigt recht erhebliche Steigungen. So überwand die Schmalspurbahn Swakopmund Windhuk auf einer Entfemung wie von Berlin bis Erfurt einen Höhenunterschied von über 1600 m. Die Hauptstadt Windhuk liegt auf 1700 in, also etwa so hoch wie Pontresina. Unsere militärischen Operationen spielten sich durchweg in einer Höhe von 1000 bis 1200 m ab.

Unser schlimmster Feind war der Durst. Das ganze Land ist wasserarm. Flüsse in unserem Sinn sind nur die Grenzflüsse im Norden und Süden, während alle übrigen Flußbette sogenannte Reviere" sind und nur während der Regenzeit sich für wenige Tage in reißende Ströme gelblichen Wassers verwandeln. Im allgemeinen mußten wir froh sein, wenn wir auf Tagesmarsch­entfernung Wasser fanden. Daher spielte der Besitz der Wasser­stellen militärisch eine bedeutende Rolle, und oft ist um so ein Loch mit brackigem Wasser viel Blut geflossen. Selten nur konnten wir einmal im Überfluß von Naß schwelgen und sogar baden. Ost aber mußte ich das Waschen überhaupt verbieten, damit Menschen und

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