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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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ist es über Tag sehr heiß, während in der kalten Jahreszeit von Mai bis Oktober die Nachttemperaturen bis unter Null sinken. In der Regenzeit von November bis April regnet es nicht etwa ununterbrochen, sondern immer nur sür einige Stunden und auch nicht jeden Tag.

Bei den geringen Niederschlagen weist Südwestafrika nur eine ärmliche Steppenvegetation auf. Wo man aber genügend bewässern kann, gedeihen auch die europäischen Gemüse und Feldfrüchte.

Der Anblick der weiten Steppenlandschast ist ziemlich trostlos, besonders in der trockenen Jahreszeit. Bei der klaren und durch­sichtigen Luft sind aber die bizarren Konturen der Felsengebirge auf ivo km und mehr deutlich sichtbar. Wenn die Sonne auf- oder untergeht, sind die Berge mit ihren Jacken und Klippen in einen wunderbaren violetten Duft getaucht, und es herrscht eine Farben­pracht am Himmel, die kein Pinsel in der Hand eines großen Künstlers wiedergeben kann und die uns allen unvergeßlich bleiben wird. Noch heute habe ich das Bild des Waterberges oder der KarraSberge vor Augen, in der unbeschreiblichen Verklärung bei Sonnenaufgang.

Sehr ungünstig waren die Verkehrsverhältniffe. Abgesehen von der wenig leistungsfähigen Bahn SwakopmundWindhuk waren wir auf die nur durch den Gebrauch entstandenePad" ange­wiesen, die von einer Wasserstelle zur anderen führt. Das einzige Transportmittel war der afrikanische Ochsenwagen, der mit seinen achtzehn und mehr Zugochsen nicht über 20 km pro Tag zurücklegen kann. Dieser schwerfällige Nachschub lähmte die Operationen.

Die Tierwelt bot viel Interessantes. Im Norden trafen wir einen starken Bestand verschiedener Antilopenarten, besonders von Springböcken. So sahen wir einmal mehrere hundert Springböcke auf einer Stelle. Als die Herde abgaloppierte, hatte man den Ein­druck einer wogenden See. Diese Böcke gaben einen sehr geschätzten Braten ab in dem ewigen Einerlei unseres Menüs. Auch Perlhühner und Wildtauben gab es reichlich. Im Süden der Kolonie hatten Bastards und Hottentotten durch sinnloses Jagen den Tierbestand stark dezimiert. ^

Löwen und Tiger gibt es nur noch in der Kalabaristepp e. dagegen

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