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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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d. Res. Semper, harrte trotz einer Verwundung bei der Batterie aus, bis er am Nachmittag durch einen Bauchschuß getötet wurde.

Die Sonne brannte glühend heiß hernieder. Gegen 5 Uhr wurde der letzte Trunk Wasser ausgegeben. Nun stellte der schrecklichste Feind südafrikanischer Kriegführung, der Durst, die Widerstands­kraft der braven Truppen auf eine fast übermenschliche Probe.

Mit Einbruch der Dunkelheit wurde das Feuer auf beiden Seiten schwächer, flackerte aber sofort wieder auf, sobald eine Bewegung beim Gegner erkannt wurde. Gegen zehn Uhr abends bezog sich der Himmel mit dunklen schweren Wolken. Manch heißes Gebet um Regen wurde von trockenen Lippen geflüstert. Alle Zeltbahnen waren ausgebreitet, um das ersehnte Naß aufzufangen. Da erhob sich ein sturmartiger Wind und zerstreute die Regenwolken. Mit dem Gewehr im Arm, die brennenden Augen in das Dunkel gebohrt, verbrachte die Truppe die Nacht.

Mit dem Morgengrauen flackerte das Gefecht wieder auf. Ein heißer Tag hatte wieder begonnen. Unbarmherzig brütete die Sonne und vermehrte die Qualen des Durstes so, daß schon in den Vor­mittagsstunden einige der schutzlos am Boden liegenden Soldaten vor Erschöpfung bewußtlos wurden.

Bald begann die Geschützmunition auszugehen. In immer längeren Abständen feuerten die Geschütze, nur noch mühsam von der stark gelichteten Begleitmannschaft bedient. Dagegen nahm das feindliche Feuer an Heftigkeit zu. Der Gegner schien über große Munitionsmengen zu verfügen.

Der Zustand der in der prallen Sonne liegenden, halbverdursteten Schützen, die seit dreißig Stunden ununterbrochen gekämpft hatten, wurde kritisch. Mehrere Leute tranken in ihrer Verzweiflung das Blut erschossener Pferde oder aßen Ameisen. Die Hitzschläge häuften sich. Einzelne Soldaten wurden vor Durst wahnsinnig, sprangen plötzlich aus der Schützenlinie auf und stürzten sich laut delirierend auf den Feind, um allein die Wasserstelle zu erobern. Unter ihnen war Leutnant von Bockelberg. Am anderen Tage wurde seine Leiche von Kugeln durchsiebt aufgefunden. Der Feind höhnte obendrein noch die Verdurstenden. Einzelne Hottentotten hielten ihre wohlgefüllten Wassersäcke hoch und riefen herüber:Dütsch- mann sehr durstig, gutes Wasser hier."

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