Dokument 
Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
Entstehung
Seite
86
Einzelbild herunterladen

fontein aufgebrochen war, tauchten aus der Ferne plötzlich Staub­wolken auf. Das mußte die Kolonne Meister sein! Erleichtert atmeten wir auf. Patrouillen gingen im Galopp vor, um die Ver­bindung herzustellen. Wie groß aber war unsere Enttäuschung, als sie am Abend mit der Meldung zurückkehrten, die Staubwolken hätten von starken Hottentottenbanden hergerührt, die nördlich Zwartfontein lagerten. Das konnte nur Hendrik sein. Nach dem Gefecht bei Groß-Nabas war er in eiliger Flucht noch am selben Tag so weit nach Süden gerückt und hatte sich mit den vor unS zurückweichenden Simon-Copper-Leuten vereinigt, so daß uns nun über izoo gut bewaffnete und zum Entscheidungskampf entschlossene Orlogleute gegenüberstanden. Während der Nacht biwakierten wir südlich Zwartfontein in Gefechtsbereitschaft.

Am nächsten Morgen ergab sich aus Patrouillenmeldungen, daß der gerissene Fuchs Hendrik uns in einen Hinterhalt zwischen den Auob und der westlich davon gelegenen Düne locken wollte. Auf diesen alten Hottentottentrick fielen wir aber nicht hinein. Ich ließ nach links abschwenken und die Düne gewinnen. Dadurch bekamen wir von vornherein die beherrschende Position in die Hand, von der aus unsere überlegene Waffenwirkung voll ausgenutzt werden konnte. Nach mehrstündigem Gefecht war der feindliche Widerstand gebrochen. Am Nachmittag wich der Feind auf der ganzen Linie zurück und flüchtete unter unserem Verfolgungsfeuer auf die wasserlose Kalahariwüste zu. Die Batterie Kirchner faßte auf 6 Irm Entfernung noch eine feindliche Wagenkolonne, deren Begleit­mannschaft unter den Granateinschlägen nach allen Seiten aus- einanderstob. Wir erbeuteten zwanzig Ochsenwagen mit Lebens­mitteln, Gewehren und Munition. Dieser Tag hat mir wegen der Schnelligkeit unserer Operationen bei den Eingeborenen den Namen WitSlang" (weiße Schlange) eingetragen.

Während der Nacht bezogen wir ein Lager nördlich von Iwart- fontein, und endlich konnten die übermüdeten Truppen sich durch einen lang entbehrten Schlaf erholen. Ich selber konnte kein Auge zutun. Die dumme kleine Verletzung an meiner Schulter, an der Moritz" eigentlich die Schuld trug, brannte wie Feuer. Immer, wenn ich verärgert mich von der einen Seite auf die andere wälzte, fühlte ich die kalte Nase des treuen Hundes an meiner Hand.

86