Unser täglicher Sammelpunkt war das gastfreie Haus des Missionars Fenchel und seiner Familie. Ich wurde von den braven Menschen besonders verwöhnt und bekam ganz ungewohnte Genüsse, frische Milch und Eier, zu Gesicht. Da mein Magen sich nicht immer mit dem brackigen Wasser auf den langen Märschen befreundet hatte, wußte er die Haferschleimsuppen der Frau Fenchel ganz besonders zu schätzen. Als es mir dann besser ging, bekam ich auch die Leibspeise meiner Heimat, „Spätzle", vorgesetzt. Vor allem aber war ich dankbar, daß ich endlich einmal wieder deutscher Musik in einem friedlichen Familienkreis lauschen konnte. Eine Tochter des Ehepaares war eine seltene Meisterin des Klaviers, die auch am Sonntag die Andachten in der Kirche durch ihr Spiel am Harmonium zu einem besonderen Genuß machte.
Seit der Zeit in Windhuk hatte ich zum erstenmal wieder ein gutes Bett, einen richtigen Schreibtisch und konnte mir sogar ein warmes Bad leisten. Ich kam mir vor wie auf dem Gipfel großstädtischen Komforts. Außerdem erreichte uns auch die Weihnachts- post in Keetmanöhoop. Mit dankbarer Freude ersahen wir aus Hunderten von Briefen, daß uns die Heimat trotz der weltbewegenden Ereignisse des Russisch-Japanischen KriegeS nicht vergessen hatte.
Wenn nur mein Arm zur Vernunft gekommen wäre! Der Stabsarzt hatte ihn in Gips gelegt, sicher sehr verständig vom medizinischen Standpunkt, aber doch bei der furchtbaren Hitze kaum zu ertragen. In einer besonders heißen und schlaflosen Nacht weckte ich schließlich meinen Burschen und ließ mir von ihm mit dem Seitengewehr den ganzen Gipspanzer in Stücke schlagen. Schlafen konnte ich dann allerdings auch nicht vor Schmerzen, aber mir war doch um vieles leichter. Eine Zeitlang ließ ich mich von einem Hottentottenweib massieren, das im Geruch besonderer Heilkräfte stand. Der Geruch war zweifellos, die Heilkräfte aber leider nicht.
Glücklicherweise lenkte mich die Arbeit von übertriebener Beschäftigung mit meinem schmerzenden Arm ab. Ich wollte Morenga so schnell wie möglich auf den Leib rücken, und dazu mußten sehr erhebliche Schwierigkeiten, vor allem in der Truppenverpflegung, überwunden werden.
Im Süden der Kolonie waren wir entweder auf die endlose
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