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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
Entstehung
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Etappenstraße über Windhuk angewiesen oder auf Zufuhren aus der Kapkolonie über Ramansdrift-Warmbad. Diese Verbindung wurde zeitweise durch die Kapregierung gesperrt oder durch Aufständische bedroht. Der Zufahrtsweg aber von unserem südlichen Hafen Lüde- ritzbucht durch izolcm Wüste bis Kubub bot Schwierigkeiten, zu deren Behebung seit Beginn des Feldzuges kaum etwas getan war. Ich ließ mir den Generalstabsoffizier des EtappenkommandoS Süd in Lüderitzbucht nach Keetmanshoop kommen, um mit ihm die Ver­besserungen auf dem gefürchteten Baiweg durch die Wüste zu be­sprechen. Das Ergebnis war, daß wir beim Oberkommando eine Kamelkarawane und das Material für eine durch Esel gezogene Förderbahn bis zum Ausgang der Dünen beantragten.

Um die Verbindungen nach der Kapkolonie zu sichern, entsandte ich Kompagnien mit zwei Geschützen nach Warmbad zur Ver­fügung des Hauptmanns von Koppy, der mit dieser Verstärkung die Gegend von Räuberbanden säubern sollte. Durch eine neu errichtete Signalverbindung von Keetmanshoop bis Warmbad schaffte ich mir zudem eine Nachrichtenlinie mit der Südgrenze unserer Kolonie-

Meine Absicht einer entscheidenden Operation gegen Morenga hatte ich schon Mitte Januar dem Hauptquartier in Windhuk ge­meldet. Leider fand mein Plan keine Billigung. Anfang Februar erhielt ich den Befehl, Morenga nur zubeobachten" und dafür mit den WitboiS endgültig aufzuräumen.

Durch Blinkspruch meldete ich darauf dem Hauptquartier, daß Morenga schon seit acht Monatenbeobachtet" aber nie angegriffen worden sei. Dieser Zustand sei im höchsten Grade bedenklich, da Morenga dauernd an Ansehen gewinne und der moralische Rück­halt der Witbois sei, solange seine Übergriffe nicht geahndet würden. Ich bäte daher um die Erlaubnis, Morenga Anfang März angreifen zu dürfen. Wenn bis dahin Verpflegungszufuhr aus der Kapkolonie nicht möglich sei, so müßten und würden die eigenen Bestände ge­nügen. Wörtlich fügte ich hinzu:Die Operationen im Süden konnten bisher gelingen, weil mir freie Hand gelassen wurde, wo­für ich in hohem Maße dankbar bin. Bitte auch weiterhin um freie Hand."

Wenige Tage später lehnte das Hauptquartier meinen Plan end­gültig ab. Weder genügende Verpflegung noch ausreichende Kräfte

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