Es handelte sich also wieder um eine der konzentrischen Operationen, die für unsere Kriegführung in Südwestafrika charakteristisch waren. Die Schwierigkeiten, die dem alten strategischen Grundsatz „getrennt marschieren, vereint schlagen" in den unwegsamen Karras- bergen entgegenstanden, waren allerdings ganz ungewöhnlich groß, zumal das Gebiet noch kaum vermessen war und zuverlässige Karten nicht zur Verfügung standen.
Als ich am 6. März mit der Kolonne Kamptz auS Keetmanshoop aufbrach, herrschte eitel Freude unter der Bevölkerung, die schon lange ein Eingreifen gegen Morenga ersehnt hatte. Auch die Truppe war bester Stimmung.
Am 7. früh erreichten wir das wasserreiche Uchanaris, wo die Trümmer von Farmgebäuden zwischen Palmen und Feigenbäumen von besseren Tagen zeugten. Erst von hier aus meldete ich helio- graphisch dem Hauptquartier, daß ich mich doch zum Angriff gegen Morenga entschlossen hätte und schon alle Kolonnen im Marsch seien. Bei der Entfernung war das Hauptquartier jetzt nicht mehr in der Lage, auf den Gang der Operationen einzuwirken.
Den Fuß des Gebirges erreichten wir erst am 9. an der Wasserstelle Hurub. Noch an demselben Tage wurde der Vormarsch in die Berge fortgesetzt, bis Kraikluft, wo wir Wasser finden sollten. Diese Hoffnung wurde enttäuscht. Auch der fahrbare Weg hörte hier auf. Nur ein Saumpfad führte in steilen und engen Windungen auf das Hochplateau, daS einige hundert Meter über uns lag.
Vor allem mußte Wasser herangeschafft werden. Es blieb nichts anderes übrig, als am nächsten Morgen alle Gespanne den vier Stunden weiten Weg bis Hurub zurückzuschicken, um Wasser für den Weitermarsch heranzuholen. An ein Mitnehmen der gesamten Pferde war unter diesen Umständen gar nicht zu denken. Der Weitermarsch mußte zu Fuß erfolgen. Nur die notwendigen Patrouillenpferde verblieben bei der Truppe, alle anderen wurden nach Hurub zurückgeschickt. Geschütze, Maschinengewehre und Proviant mußten auf Tragetiere verpackt werden.
Während wir in Kraikluft sehnsüchtig auf die Rückkehr der Wasserholer warteten, entspann sich gegen Mittag eine heftige Schießerei auf dem Plateau über uns, wo unsere Posten einen Angriff von Hottentotten abwehrten. Offenbar hatte diese feindliche Abtei-
92