lung den Auftrag, uns bei Kraikluft den Aufstieg zu sperren. Glücklicherweise kam der Gegner um einige Stunden zu spät und zog wieder ab, als er den Höhenrand schon in unserer Hand fand. Der Feind begnügte sich damit, in der Marschrichtung auf NarudaS das Gras anzuzünden, in der Hoffnung, uns dadurch aufzuhalten. Gegen Abend hatten wir unter großer Mühe Geschütze und Maschinengewehre auf das Plateau herausgebracht. Da auch das Wasser von Hurub eingetroffen war, marschierten wir noch am gleichen Abend etwa eine Stunde in Richtung NarudaS und gingen dann zur Ruhe über. Die ganze Nacht über leuchteten um uns gespenstisch die Grasbrände der Steppe.
Mit Tagesgrauen wurde der Vormarsch über stark zerklüftetes Gelände und Steingeröll fortgesetzt. Eisenbeschlagene Bergschuhe wären hier am Platze gewesen. Statt dessen trugen Offiziere und Mannschaften stark verbrauchte, noch knapp zusammenhaltende Stiefel. Viele Leute hatten ihre Schuhe mit Lederstreifen aus frischen Kuhhäuten umwickelt, um ihre fragwürdige Haltbarkeit zu verlängern.
Nachdem wir frühmorgens ganz unerwartet eine sehr ergiebige Wasserstelle gefunden hatten, wo wir unsere Bestände ergänzen konnten, erreichten wir gegen zehn Uhr vormittags den Nordausgang der NarudaSschlucht. Er war vom Feind besetzt.
Ich ließ die Vorhut mit der Artillerie sich in der Front entwickeln und umfaßte mit dem Gros den Gegner von links. Nach kurzem Gefecht, bei dem wir nur einen Toten und zwei Verwundete zu beklagen hatten, wurde er geworfen.
Das Detachement ging dann auf den Höhen beiderseits der NarudaSschlucht nach Süden vor. Es war ein Marsch, den ich mein Lebtag nicht vergessen werde. Immer wieder kamen tiefe Quer- schluchten mit steilem Abstieg und anstrengendem Aufstieg. Die Lungen arbeiteten mit Hochdruck, und das Herz klopfte in der dünnen Luft wie verrückt. Die Tragtiere mit ihren schweren Lasten drohten zu versagen. Doch vorwärts! Die Truppe gab ihr Letztes her. Wenn ich auf die lange gelbe Schlange der sich mühselig durch daö Steingeröll windenden Marschkolonne zurückblickte, mußte ich an Suworows berühmten Übergang über den St. Gotthard denken. Größere Anstrengungen hatte er seinen Leuten auch nicht zumuten müssen.
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