des Mittelmeeres zu durchkreuzen. Auch die Stimmung in England war so unfreundlich gegen uns, daß ganz feine Nasen damals schon Pulver zu riechen glaubten.
Der Kaiser war an diesem Tage sehr ernst, vielleicht sorgenvoll. Aber aus seinen Worten konnte ich entnehmen, mit welchem persönlichen Interesse er die Kämpfe in Südwest verfolgte. Dieser Eindruck wurde noch verstärkt, als ich ihm nachher beim Frühstück im Kasino des Elisabeth-Regiments gegenübersaß und von unserem Leben draußen erzählen mußte.
Mein Arzt hatte bestimmt, daß ich möglichst bald eine Kur in Baden-Baden gebrauchen sollte, um meinen Arm wieder in Ordnung zu bringen. Vor der Abreise aber kam es noch zur Trennung von „Moritz", die für uns beide gleich schmerzlich war.
Eines schönen Morgens trat ich mit „Moritz" aus meinem Hotel auf die Straße, als gerade eine Droschke zweiter Güte im Zuckeltrab vorbeikam. Ob „Moritz" in dem mageren Klepper einen Hottentottengaul wiederzuerkennen glaubte, weiß ich nicht, jedenfalls aber fuhr er mit Gebläff auf das arme Tier zu und biß es nach dem üblichen Trick seiner Rasse in die rechte Hinterfessel. DaS Pferd erschrak so, daß es auf dem glatten Asphalt stürzte. Der Kutscher goß einen Kübel bewährter Berliner Schimpfworte über „Moritz" und mich. Auch der übliche Straßenauflauf ließ nicht auf sich warten. Um „Moritz" zu rehabilitieren, drückte ich dem Rosselenker zwanzig Mark in die Hand. Sofort legte sich sein Zorn.
„Js man jut", meinte er versöhnlich. „Vor dies Jeld kann Ihre Töle die olle Zicke noch einmal beißen." Schon stand der Gaul wieder auf seinen vier Beinen, und wir schieden mit dem Ausdruck gegenseitiger Wertschätzung.
Durch diesen kleinen Zwischenfall war mir aber klar geworden, daß ich „Moritz" nicht mit auf Reisen nehmen konnte. Ich schrieb an den Gutsbesitzer in Mecklenburg, von dem ich den Hund bei der Ausreise bekommen hatte, und fragte ihn, ob er ihn mir nicht aufheben wolle, bis ich wieder hinausginge. Postwendend kam die Zusage. Und so brachte ich mit sehr schmerzlichen Gefühlen „Moritz" auf den Stettiner Bahnhof, wo er in eine Kiste kam, die oben mit Latten verschlossen wurde. Als die letzte Latte aufgenagelt wurde, sah mich das treue Tier mit einem Blick an, den ich nie vergessen
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