werde. Das war unser Abschied, denn als ich ein Jahr später wieder nach Afrika ging, bat mich der Gutsbesitzer himmelhoch, ihm „Moritz" zu lassen. Er hatte sich mit dem Töchterchen angefreundet und begleitete die Kleine täglich auf ihrem einsamen Schulweg durch den Wald.
Die Thermalbäder in Baden-Baden bekamen mir ausgezeichnet. Sehr rasch ließen die Schmerzen nach, und schon nach vier Wochen konnte ich mit meiner Frau zur Nachkur nach Pontresina gehen. In der mir durch den Aufenthalt in Südwest vertrauten Höhenluft erholte ich mich schnell von den Strapazen des Feldzuges. Auch für meine Frau, die Reisen eigentlich nur von den Umzügen von einer Garnison in die andere kannte, war die Zeit in Pontresina ein glückliches Erlebnis. Zu Badekuren oder gar Fahrten inS Ausland hatte es früher nie langen wollen. Auch jetzt mußten wir haushälterisch sein und kehrten nach gar zu schnell verflogenen Wochen nach Berlin zurück.
Im Oktober wurde ich wieder zum Abteilungschef im Großen Generalstab ernannt und vertauschte die malerische Tropenuniform mit dem Rock des Generalstäblers. Zunächst wurde ich vom Kolonialamt mit Beschlag belegt. So sollte ich während des Winters in allen großen Städten des Reichs Vortrüge über Südwestafrika halten. Man wollte nachholen, was man bisher engherzig versäumt hatte, und der Öffentlichkeit endlich einen Einblick in die Lage unserer Kolonie geben.
Der 9. November brachte für mich eine große Überraschung durch meine „Erhebung in den Adelsstand". Diese Auszeichnung habe ich als Anerkennung für die Leistungen meiner Truppen hingenommen, ohne daß ich darum die Nase höher trug. Auf Wunsch des Kaisers bekam ich einen Mohrenkopf in mein Wappen.
Mit größtem Interesse verfolgte ich den Fortgang der Kämpfe in Südwest. Ende Oktober wurde der alte Hendrik Witboi in einem Gefecht verwundet und starb kurz darauf an Verblutung. Mit seinem Tode war die Widerstandskraft der WitboiS gebrochen, und in den folgenden Wochen streckten sie die Waffen. Aber Cornelius und Simon Copper machten uns weiter zu schaffen, und im Süden entfaltete Morenga trotz seiner Schwächung in den KarraSbergen neue Unternehmungslust. Auch die Bondelzwarts überfielen einzelne Farmen und Kolonnen.
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