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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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Selbstredend gab es in der Heimat Leute, die mit dem Frieden von Heirachabis durchaus nicht einverstanden waren. Die einen meinten, nach gewissenhafter Informierung auf dem Globus in der Zimmerecke, daß ich eine Verpflanzung aller Hottentotten nach dem Norden durchsetzen, vor allem aber die Verhandlungen früher hätte melden sollen, umhöhere Richtlinien" einzuholen. Mein Friedensschluß mag diplomatische Schönheitsfehler gehabt haben, aber ich habe durch Verständigung erreicht, daß nie wieder, solange Südwest in deutschen Händen war, ein Schuß von den Hottentotten gefallen ist.

Andere Kritiker wieder fanden esschlapp", daß ich überhaupt mit den Eingeborenen verhandelt hätte. So zog noch jahrelang nach dem Weltkrieg ein General und ehemaliger Schutztruppen­offizier durch die deutschen Städte und hieltKolonialvorträge", in denen er seinen ehemaligen Kommandeur, Deimling, wegen seines schlappen Verftändigungssriedenö beschimpfte. Und ein anderer Herr schrieb mir damals:Was Sie getan haben, Herr General, war nicht preußisch. Man verständigt sich nicht mit den Feinden, sondem man vernichtet sie." Arme Leute! Und armes altes Preußentum, das nicht verdient hat, durch solche Menschen so mißverstanden zu werden.

Das deutsche Volk aber dachte in seinem gesunden Instinkt gar nichtpreußisch", sondern war heilfroh, daß die dreijährigen Kämpfe zu Ende waren, die so große Opfer gefordert hatten. Als im Februar 1907 Neuwahlen zum Reichstag stattfanden, da fielen dieseHottentottenwahlen", wie sie genannt wurden, unter dem Eindruck des Friedens in Südweft so kolonialfreundlich aus, daß der neue Reichstag das Regierungsprogramm glatt bewilligte: die Schutztruppe von 4000 Mann, die Verlängerung der Eisenbahn nach Keetmanshoop und ein selbständiges Kolonialamt mit dem Staatssekretär Dr. Dernburg, einem erfahrenen Kenner des Wirt­schaftslebens, an der Spitze. Auch der Große Generalstab dachte in seinem amtlichen Werk nichtpreußisch" in mißverstandenem Sinn, sondern lobte die kluge Mäßigung des militärischen Führers.

Am 2. Mai traf ich in Hamburg ein und durfte wieder am Petersen-Kai Frau und Tochter umarmen. Offizieller Empfang!

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