reibungslos vonstatten. Immer mehr Bondels kehrten aus englischem Gebiet zurück und unterwarfen sich dem Friedenövertrag unter Abgabe ihrer Waffen.
Meine Aufgabe im Südbezirk war gelöst. Mitte Januar 1907 marschierte ich nach Windhuk. Zu meinem Stäbe war inzwischen der Prinz Joachim Albrecht von Preußen, ein Vetter des Kaisers, getreten, der am Hose in Ungnade gefallen war wegen seiner Liebe zu einer Dame bürgerlicher Herkunft. Er war ein liebenswürdiger Kamerad und erwies sich jetzt an ruhigen Abenden als ein begnadeter Cellist. Mir gefiel besonders an ihm, daß er trotz der Verbannung nach Afrika bedingungslos an seiner Neigung festhielt. Ich hatte den jungen Offizier vorher auf Patrouillen gegen die Hottentotten erprobt, wobei er voll seinen Mann gestanden hat.
In Windhuk fand eine feierliche Begrüßung durch Behörden und Einwohnerschaft statt. Ich war aber nicht nach Windhuk gekommen, um zu feiern, sondern um energisch den Bestand der Schutztruppe auf Friedensstärke zu verringern. Meinem Versprechen im Reichstag gemäß hatte ich bis zum i. Dezember schon 5000 Mann heimgesandt. Nun galt es, die künftige Schutztruppe, für die zunächst eine Stärke von 4000 Mann vorgesehen war, zu organisieren und zweckmäßig auf das riesige Gebiet zu verteilen.
Wie ich vorausgesehen hatte, brach nach dem Friedensschluß mit den Bondels der Widerstand der übrigen Aufständischen rasch zusammen. Die Bandenführer Fielding und Morris ergaben sich Anfang April. Im Feld stand nur noch Simon Copper, aber auch dieser hartnäckige Krieger hatte schon Friedensverhandlungen angebahnt. Dadurch war die Aufhebung des Kriegszustandes ermöglicht. Am zi. März wurde sie durch kaiserliche Order ausgesprochen, und die Verwaltung konnte endlich beginnen, sich der wirtschaftlichen Entwicklung der Kolonie zu widmen. Mir selber brachte der Tag des Friedens in Südwest die Beförderung zum General, unter Enthebung meiner Stellung als Kommandeur der Schutztruppe. Mein Nachfolger wurde der verdiente Oberstleutnant von Estorff. So konnte ich leichten Herzens scheiden, weil ich wußte, daß ich meine Aufgabe energischen und geschickten Händen übergeben hatte, und einen besseren Dienst kann kein Soldat seinem Vaterland leisten, als einen raschen und ehrenvollen Frieden zu erkämpfen.
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