Franzosenköppe" argwöhnten. Manch junger Leutnant wollte immer gleich eine Staatsaktien daraus machen, wenn in einem Dorfwirtshaus eine französische Speisekarte auslag und irgendwo der Ruf „Vive la Kranes!" gehört sein sollte oder zwei Abbes auf der Straße französisch parliert hatten. Ich mußte viele Hitzköpfe beschwichtigen und aufklären.
Mit der Stadtverwaltung von Mülhausen, an deren Spitze ein altdeutscher Bürgermeister stand, habe ich mich sehr gut gestanden. Soweit ich konnte, habe ich den Wünschen der Einwohnerschaft Entgegenkommen gezeigt. Es waren zumeist nur unwichtige Kleinigkeiten, die als störend empfunden wurden. So war den Langschläfern der Morgengruß der militärischen Reveille, die ein Trompeter auf dem Rathausplatz blies, eine häßliche Unterbrechung angenehmen Frühschlummers. Also gut, ich ließ nicht mehr Reveille blasen. Aber abends beim Zapfenstreich hatte ich die Frauen zu Bundesgenossen, weil der Trompeter die Männer zuverlässig an die Rückkehr vom Stammtisch erinnerte.
Mein sehnlichster Wunsch war, in Mülhausen ein Soldatenheim zu gründen. Zu diesem Zweck wurde mir von der Regierung des Reichslandes und von Baden die Genehmigung für den Vertrieb einer Lotterie erteilt, die in ein paar Jahren 100000 Mark einbrachte. Durch Vermittlung des katholischen Divisionspfarrerö steuerten auch einige Mülhauser Fabrikanten Geld bei. Ein Grundstück war schon gekauft, als der Krieg die Verwirklichung des Planes vereitelte. Kapital und Grundstück wurden nach dem Kriege von den Franzosen beschlagnahmt, und die bisher gezahlten Entschädigungen von zusammen 15000 Mark werden als „Deim- lingfonds" beim Badischen Heimatdank verwaltet, um ehemalige Angehörige der Mülhauser Regimenter zu unterstützen. Ein Tropfen auf beißen Stein!
Trotz meines guten Willens blieben mir politische Iwischensälle in Mülhausen nicht erspart. So hatte es eines Abends ein gewisser Herr Wägelin für taktvoll gehalten, im Zentralhotel, in dem hauptsächlich die Offiziere der Garnison verkehrten, die Musik durch ein hohes Trinkgeld zum Spielen der Marseillaise zu bewegen. Ich persönlich schätze dieses Marschlied voll Feuer und Flamme sehr, aber da es unter den obwaltenden Verhältnissen als eine Heraus-
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