forderung der Offiziere und als politische Demonstration gemeint war, verbot ich den Besuch des Zentralhotels für die Truppen der Gamison. In Zukunft hat sich kein Wirt in Mülhauscn mehr auf politische Musik eingelassen.
Gegen Ende meiner Mülhauser Zeit hatten wir noch ein freundliches FamilienerlebniS. Meine Tochter Marie verlobte sich mit dem Leutnant von Kruse vom Jägerregiment zu Pferde Nr. 5, das in Mülhauscn in Garnison lag. Der junge Bräutigam nahm bald seinen Abschied, um seine Güter in Pommern selbst zu bewirtschaften. Der Hochzeit in Schloß Neetzow ging ein Polterabend voraus. Als wir uns zu Tisch setzten und eben die Speisen aufgetragen wurden, brach die lange Tafel mit großem Krach entzwei. Trümmer und Scherben! Wir nahmen es als gute Vorbedeutung.
Bald darauf, am 22. März 1910, wurde ich unter Beförderung zum Generalleutnant zum Kommandeur der 29. Division in Freiburg ernannt. Jetzt bezog ich mit meiner Familie die Dienstwohnung des Divisionärs, vor der ich einst als Einjährig-Freiwilliger Posten gestanden und vor der gestrengen Exzellenz angstvoll präsentiert hatte. Für mich war es eine große Freude, in die schöne Stadt zurückzukommen, in der jede Straße voll von Erinnerungen an die Schulzeit war.
Die Garnisonen meiner Division verteilten sich auf beide Ufer des Rheins. Der ganze Bezirk zwischen Schwarzwald und Vogesen war militärisch sehr interessant. Eine besondere Note erhielt er durch die Oberrheinbefestigungen, die mir gleichfalls unterstellt waren.
Als altem Freiburger wurde es mir nicht schwer, mit der Einwohnerschaft gute Beziehungen zu unterhalten. Besser als ich selbst kann hierüber die „Freiburger Zeitung" berichten, die sich anläßlich meines 60. Geburtstags wie folgt geäußert hat:
„Exzellenz von Deimling hat es verstanden, eine feste Brücke zu bauen zwischen Gamison und Bürgerschaft, die guten Beziehungen zwischen beiden neu zu beleben und enger zu gestalten. Welch großer Sympathien er sich hier zu erfreuen hat, zeigte sein Vortrag über Südwestafrika, der die Festhalle mit Tausenden aufmerksamer Zuhörer aus allen Schichten der Bevölkerung überfüllte und zu Huldigungen für den General führte, wie sie die Festhalle in so elementarer Kraft und aufrichtiger Begeisterung wohl überhaupt
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