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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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Auch der Deutsche Reichstag mußte sich eingehend mit dem Fall Jabern befassen. Eine kurze Anfrage der Linken gab den Anstoß. Die Verhandlungen fanden am z. und 4. Dezember statt. Die Debatte wurde überaus leidenschaftlich geführt.

Zuerst sprach der fortschrittliche Abgeordnete für Jabern, Roser. Seine Beschreibung des Kasernenkellers als eines nassen Loches, in dem die Verhafteten erst Decken bekommen hätten, als sie schon halb erfroren waren, rief große Unruhe hervor.

Als zweiter Redner kam der Elsässer PeiroteS zu Wort, der von einemRegime der Soldateska" sprach und sich darüber aufhielt, daß man ausgerechnet den General von Deimling, den Sieger vom Hererolande, nach dem Elsaß geschickt habe.

Dann erhob sich der Reichskanzler und teilte mit, daß der Leutnant von Forstner wegen der AnredeWackes" bestraft worden sei. Wenn die Elsässer sich durch diesen Ausdruck beleidigt fühlten, so bilde das doch in keiner Weise eine Rechtfertigung für ihr Verhalten. Lediglich das Bewußtsein der Pflicht, die Armee zu schützen, habe die Militärbehörde zum Einschreiten veranlaßt.

Wurden schon diese Worte unter starker Unruhe angehört, so steigerte sich der Widerspruch, als der Kriegsminister von Falkenhayn ausführte, daß es sich längst nicht mehr um die Verfehlungen des Leutnants handle, sondern um den Versuch, durch Pressetreibereien, Straßenaufläufe und systematische Beschimpfung deS Militärs einen ungesetzlichen Einfluß auf die Entscheidungen der Behörde zu erringen. Weichen wir davor zurück, so nähern wir uns einem Chaos, das zwar leider viele Elemente wünschen, das aber nicht im Interesse der Ordnung und der gesetzliebenden Kreise wäre.

Dann begann der Jentrumsabgeordnete Fehrenbach seine berühmt gewordene Rede:Das Unzulängliche, hier wird es Ereignis, das Unbeschreibliche, hier ist es getan. Die Empörung im Elsaß ist gerechtfertigt. Es ist richtig und das ist beklagenswert und soll auch zugegeben werden, die Reizung hat von feiten der Bevölkerung stattgefunden. Aber was nun das Militär tat, das stand in keinem Verhältnis zu dem, was ihm an Kränkungen zuteil geworden ist, und verstieß unter allen Umständen gegen das Gesetz. Im übrigen habe ich Herm von Deimling als einen ebenso ein­sichtigen, hochintelligenten wie bürgerfreundlich gesinnten Mann

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