Die Patrouille brach aber durch und gelangte bis Delle. Wertvolle Meldungen für den Generalstab waren das Ergebnis dieses Opfermuts. Leider haben der junge Führer und drei Reiter ihr Leben dabei lassen müssen.
In jenen ersten Kriegstagen herrschte auf beiden Seiten noch Ritterlichkeit, die seltsam absticht von den späteren Methoden des technischen Mordens, von Giftgasen, Flammenwerfern und unterirdischen Sprengungen, mit denen im Stellungskrieg verhetzte Massen in dumpfer Wut einander vernichteten.
Hierfür ein Beispiel vom Gegner: Zwei Jäger zu Pferde vom Regiment z hörten am 5. August bei Saales, als sie soeben aus Posten abgelöst waren, Schüsse fallen und sahen bald darauf drei ledige Dragonerpferde in das Dorf galoppieren. Sie baten ihren Führer um die Erlaubnis, nach den vermutlich abgeschossenen Kameraden suchen zu dürfen. Ohne Waffen, mit einem weißen Tuch an einem Stock, machten sie sich auf den Weg feindwärts. Einige Kilometer jenseits der Grenze wurden sie von französischen Soldaten festgehalten und konnten ihre Absicht erst begreiflich machen, als ein deutschsprechender Offizier herbeigeholt war. Dieser übergab ihnen die Leiche eines Dragoners und erklärte ihnen, einen zweiten Dragoner könne er nicht herausgeben, der verwundet, aber in bester Pflege sei. Der dritte Reiter habe zu Fuß entkommen können. Der französische Offizier bedauerte, keine Tragbahre für den Gefallenen abgeben zu können, bot aber Geld an, um einen Wagen zu mieten. Auf das Drängen der Jäger wechselte er ihnen schließlich deutsches Geld in französisches. Dann stellte er seinen Leuten das kameradschaftliche Verhalten der deutschen Jäger als vorbildlich hin und veranlaßte sie, dem Gegner zum Abschied die Hand zu schütteln. Auch der französische Bauer, der den gefallenen Dragoner bis zur Grenze fuhr, weigerte sich, Bezahlung für den Liebesdienst anzunehmen.
Ähnliche Fälle ritterlicher Kriegführung wurden auch aus andern Frontabschnitten gemeldet. Unseren Leuten gebührt das Verdienst, diesen Rest von Menschlichkeit im grausamen Kriegshandwerk besonders betätigt zu haben.
In Straßburg machte die ernste Stimmung, von der die Bevölkerung in den ersten Tagen beherrscht war, bald ehrlicher patrio-
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