Trotz meines strengen Verbots gingen am 2. August auch deutsche Patrouillen aus übertriebenem Tatendrang unterer Führer über die französische Grenze. Gegen Mittag des 2. August traf aus Berlin die Weisung ein, jede Grenzverletzung unbedingt zu vermeiden. Erst am Abend des z. August, nach erfolgter Kriegserklärung an Frankreich, wurde die Grenze für unsere Erkundung freigegeben.
Nun setzte auf der ganzen Linie rege Aufklärungstätigkeit ein. Sie wurde unterstützt durch die Flieger des XIV. Korps, während ich meine Fliegerabteilung noch zurückhielt für die operativen Aufgaben nach Beginn des eigentlichen Kampfes. Unsere Unterlegenheit auf dem Gebiet der Luftrüstung zwang zu solcher Beschränkung.
Um so schwerer und wichtiger war die Aufgabe unserer Patrouillen, besonders der Kavallerie, in dern schwierigen Gelände den Schleier der französischen Deckungstruppen zu zerreißen. Weg und Steg waren von Zollbeamten und Förstern besetzt, dahinter lagen die feindlichen Postierungen. Überall lauerten Soldaten mit dem Finger am Abzug. Unsere Patrouillen, die vielfach angeschossen und zersprengt wurden, verfolgten auch nach Verlust der Führer ihre Aufträge mit bewundernswerter Hartnäckigkeit. Wo sie zu Pferde nicht durchkamen, saßen sie ab und pirschten sich durch Wald und Feld zu Fuß weiter. Zahlreiche Meldungen aus dem Rücken der feindlichen Deckungstruppen ergaben für mich das richtige Bild, daß wir vorläufig nur schwache Kräfte vor uns hatten.
Als ein Beispiel möchte ich die Patrouille des Leutnants Mayer, Jäger zu Pferd 5, erwähnen, der durch die Burgundische Pforte auf Delle, südöstlich von Belfort, aufklären sollte.
Als er den Befehl erhielt, nahm er gleichmütig zwei Finger an den Helm und sagte: „Ich bin stolz, als erster nach Frankreich hineinreiten zu dürfen." Am hellichten Tage überschritt er die Grenze zwischen Courtelevant und Nieder-Sept. Das verbarrikadierte Dorf Faverois wurde umritten, feindlichem Feuer ausgewichen und ein Posten östlich Delle in der Attacke zersprengt. Dicht bei Delle stieß die Patrouille auf eine Straßensperre, die mit 20 Mann besetzt war. Ein Jäger rief dem Patrouillenführer zu: „Herr Leutnant, das sind zu viele!" Der junge Offizier aber sprengte mit dem Ruf: „Schadet nichts, wir müssen durch!" auf die feindliche Abteilung los. Die Franzosen warfen sich in den Straßengraben und schössen.
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