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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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und das Gesetz des Handelns vorschreiben konnte. Auf das Stand­halten unseres schwachen Grenzschutzes in den Vogesen durften wir bei der hervorragenden Tüchtigkeit unserer Truppen und der Stärke ihrer Gebirgsstellungen wohl vertrauen.

Im Einvernehmen mit der Obersten Heeresleitung faßte der Oberbefehlshaber der 7. Armee noch am gleichen Tage den Ent­schluß, den in das Oberelsaß eingedrungenen Feind mit allen ver­fügbaren Kräften anzugreifen und ihn durch einen starken rechten Flügel nach Möglichkeit gegen die Schweizer Grenze zu werfen.

Der Angriff wurde für den 9. August befohlen. Dafür wurden mittels Fußmarsch oder Bahntransport das XV. Korps in Gegend Colmar, das XIV. mit je einer Division bei Breisach und Neuen­burg und das XIV. Reservekorps, das noch im Antransport war, mit den zuerst eintreffenden Teilen an den Rheinbrücken in Markols- heim und Schönau bereitgestellt. Mein Korps sollte auf Sennheim und Wittelsheim und das XIV. Korps mit seiner 28. Division über Ensisheim auf Mülhausen vorgehen, während sich die 29. Divi­sion auf dem linken Flügel dem Vorgehen nach Anordnungen des Kommandierenden Generals dieses Korps, General Frhrn. von Hoiningen gen. Huene, anzuschließen hatte. Nach neuesten Mel­dungen hielt der Feind mit einer Division die Gegend von Mül- hausen, mit der anderen die Linie Thann, Sennheim und Wittelsheim besetzt. Bei Altkirch stand die französische 8. Kavallerie-Division.

Am Angriffstage marschierte ich mit meinem Korps um 4,zc> Uhr morgens aus unserer Unterkunft südlich Colmar in zwei Kolonnen vor: rechts Z9. Division längs des Gebirges auf Sennheim, links zo. Division über Bollweiler auf Wittelsheim. Mit meinem Stäbe schloß ich mich der rechten Kolonne am Anfang des Gros an.

Der Tag war glühend heiß und forderte daher manche Ausfälle unter den Reservisten, die an solche Anstrengungen unter dem schweren Kriegsgepäck noch nicht gewöhnt waren. Etwa auf der Hälfte des Marsches ließ ich die Kolonne an mir vorbeiziehen. Obwohl der Schweiß auf die neuen Monturen rann und der Staub die Gesichter verklebte, machte die Truppe einen zuversichtlichen, ja begeisterten Eindruck. Manch übermütiges Witzwort, das all­gemeine Heiterkeit auslöste, zeigte mir, daß die unverwüstlichen Schwaben des Infanterie-Regiments Nr. 126, die in der Vorhut

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