Dokument 
Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
Entstehung
Seite
171
Einzelbild herunterladen

einen schwarzen Kater, der in der warmen Augustnacht zweifellos nicht an Aktenbündel gedacht hatte.

Am 5. August traf der Oberbefehlshaber der 7. Armee, General­oberst von Heeringen, der frühere Kriegsminister, mit seinem Generalstabschef, Generalleutnant von Hänisch, in Straßburg ein. Diesem Oberkommando war ich mit meinem XV. Korps, zusammen mit dem XIV. aktiven und dem XIV. Reservekorps, unterstellt.

Die Aufgabe der Armee war zunächst: Schutz des Oberelsaß gegen eine frühzeitige französische Offensive. Ihre Hauptaufgabe aber war, zusammen mit der zwischen Metz und Saarburg auf­marschierenden 6. Armee die gegenüberstehenden französischen Kräfte festzuhalten und die linke Flanke des deutschen Heeres zu sichern.

Am 7. August meldete der Grenzschutz im Sundgau, daß der Feind am Morgen die Grenze mit vier Kolonnen überschritten hatte:

durch das Thurtal auf Thann, von St. Germain über Nieder-Sulzbach auf Exbrücke, von Alt-Münsterol über Dammerkirch auf Altkirch und aus Richtung Delle über Courtelevant auf Bisel.

Diese letzte Kolonne bestand vorwiegend aus Kavallerie.

Es handelte sich um den Einmarsch des VII. französischen Korps aus Belfort unter General Bonneau. Mit dieser Operation hatten wir in allen Einzelheiten gerechnet und den Grenz­schutz entsprechend eingeteilt. Die ;8. Grenzschutzbrigade aus Mül- hausen wich sehr geschickt, ihrem Auftrag entsprechend, unter leichten Nachhutgefechten vor der feindlichen Übermacht auf Mülhausen auS und ging von dort bei Nacht ungestört hinter den Rhein in Gegend Neuenburg zurück. Der Feind folgte zögernd bis Mülhausen. Aus dem dortigen Proviantamt, das unsere Truppen befehlsgemäß ange­zündet hatten, um die Vorräte nicht in Feindeshand fallen zu lassen, schlugen die Flammen hoch zum Himmel empor und hüllten die ganze Gegend in ein abenteuerliches Licht.

An die Armeeführung in Straßburg trat nun die Frage heran, wie sie den kritischen Ereignissen im Oberelsaß im Rahmen der strategischen Gesamtoperationen begegnen sollte. Am besten war unsere Aufgabe dadurch zu lösen, daß wir den Gegner so rasch wie möglich wieder hinauswarfen, ehe er Verstärkungen an sich ziehen

171