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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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gegangen, ein Fehler, den in diesen ersten Gefechtstagen fast alle Führer bis hinab zu den Bataillonskommandeuren gemacht haben. Wir waren eben noch in Manövervorstellungen befangen und wollten den persönlichen Einfluß des Führers möglichst dicht am Feinde zur Geltung bringen. Der umgekehrte Fehler trat gegen Ende des Krieges oft in die Erscheinung, wo die Stäbe zu weit hinter der Front saßen, um in schwierigen Lagen rasch genug durch neue Ent­schlüsse eingreifen zu können.

Nachdem Uffholz genommen war, folgte ich dem Stab der zy. Division, der den Angriff auf Sennheim persönlich leiten wollte, nach Uffholz hinein. Wir hatten kaum die ersten Häuser erreicht, als uns Gewehrfeuer aus dem Kirchturm und einzelnen Gebäuden ent- gegenschlug. Wir mußten in Schützenlinie ausschwärmen und zu Pistole und Karabiner greifen. Eine Infanterie-Kompagnie kam uns zu Hilfe und säuberte den Ort von feindlichen Nachzüglern, die den Rückzug ihrer Kameraden wohl nicht bemerkt hatten. Etwa ein Dutzend französischer Soldaten wurden vom Kirchturm und aus den Häusern geholt und als Kriegsgefangene nach hinten geschickt.

Der Angriff gegen die französische Hauptstellung bei Sennheim kam nur langsam vorwärts. Die feindlichen Schützen verstanden ausgezeichnet, das Gelände auszunutzen, schössen aber glücklicher­weise meist zu hoch. Diesem Umstand war es zu danken, daß unsere Verluste in den viel zu dichten Schützenlinien auch ein Kardinal­fehler der ersten Kriegömonate, erklärlich (aber nicht entschuldbar) durch die geringe Vertrautheit der unteren Führer, mit kriegsstarken Formationen zu operieren nicht größer wurden, als sie eS so schon waren. Sehr unangenehm fühlbar machte sich die französische Artillerie, die flankierend aus der Gegend von Alt-Thann in unsere Linie feuerte. Leider war es unserer Artillerie nicht möglich, die Stellungen der feindlichen Batterien zu erkennen und durch ihre Niederkämpfung unsere Infanterie zu entlasten.

Trotzdem gelang es gegen 6 Uhr nachmittags Teilen der Re­gimenter 126, iZ2 und 172, Steinbach zu stürmen und den hier kämpfenden Feind auf Alt-Thann zurückzuwerfen. Etwa zur selben Zeit drangen 126 er und iZ2er in das sehr hartnäckig verteidigte Sennheim von Norden ein, während zwei Bataillone iz6er sich von

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