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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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Osten her an der Wegnahme der Stadt beteiligten. Diese beiden Bataillone hatte der Vorhutkommandeur der Nachbardivision, General von Altrock, aus Wittelsheim auf Sennheim angesetzt, um die schwer kämpfenden Kameraden der zy. Division zu unter­stützen. In heißem Straßenkampf gelang es, den Feind aus Senn­heim zu werfen. Bald darauf erfolgte ein starker französischer Gegen­angriff. Das Gros unserer Truppen wurde wegen der unübersichtlichen Verhältnisse bei einbrechender Dunkelheit aus dem Ort zurückgezogen, in dem nur Sicherungen verblieben. Im Lauf der Nacht hat dann der Gegner Sennheim wieder ganz geräumt.

Auf die Meldung von dem französischen Gegenstoß hatte General von Altrock ein Bataillon der 105er und eine aus Marsch­kranken gesammelte Kompagnie beiderseits der Chaussee gegen Sennheim vorgeführt. Die Vorhutabteilung des Feldartillerie- Regiments 51 begleitete die schwache Infanterie. Etwa ein Kilometer westlich Wittelsheim wurde diese Truppe plötzlich unter starkem Artilleriefeuer aus der Richtung Lützelhof angegriffen. Unter dem Schutz der Abenddämmerung gelang es dem Gegner, bis auf etwa 500 m an unsere Artillerielinie heranzukommen. Durch Einsatz von zwei Bataillonen der i4Zer aus dem Gros der zo. Division wurde die Gefahr noch rechtzeitig abgewendet. Der feindliche Angriff brach in unserem Feuer zusammen.

Am späten Abend des ersten Schlachttages hatte mein Korps die Linie: Höhe südlich SteinbachSennheimWittelsheim in Besitz genommen. Weitere Operationen verboten sich durch die Abspannung der Truppen. Hatte doch die zo. Division wegen der enormen Hitze etwa ein Drittel ihres Bestandes als marschkrank zurücklassen müssen. Ich ließ also die Truppen in der erreichten Linie zur Ruhe übergehen und die Verbände ordnen, die während des Kampfes arg durcheinandergekommen waren.

Aber zur Ruhe sollten wir noch nicht kommen. In Wittelsheim war der Kommandeur der zo. Division gegen 10 Uhr abends gerade bei der Befehlsausgabe für die Nacht, als vom Südausgang des Ortes, wohin ein Bataillon der 105 er als Sicherung vorgeschoben war, heftiges Infanterie- und Maschinengewehrfeuer ertönte, in das sich auch bald die Artillerie mischte.

Der Divisionskommandeur vermutete einen feindlichen Überfall

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