Gegner, die unsere Truppen nur unter größtem Opfermut und schweren Verlusten niederkämpfen konnten.
Die französische Artillerie zeigte zudem wieder, wie schon in der Schlacht bei Mülhausen, eine furchtbare Präzision im Schießen aus verdeckter Feuerstellung. Auch der Reichweite nach war das französische „vunon äs 75 mm" unserer Kanone 96 überlegen, die allerdings in dem schwierigen Gelände durch ihre größere Beweglichkeit wertvoll war. Erst im weiteren Verlauf des Krieges konnten wir die Unterlegenheit unserer Feldartillerie durch Einführung der wesentlich schwereren Kanone 16 ausgleichen, die eine Schußweite von über 10 km erreichte. Heute stellt man in den modernen Armeen noch ganz andere Anforderungen an die Reichweite der Feldgeschütze.
Als ich nach der Wegnahme von Alberschweiler mit meinem Stab nach diesem Ort ritt, kamen wir auf der davorliegenden Anhöhe durch eine gespenstische Schützenlinie toter Franzosen. Es waren Infanteristen, noch in bunten Friedensuniformen, die Arm an Arm nebeneinander in dem flüchtig aufgeworfenen Schützengraben lagen. Auf dem Flügel stand ein Kruzifix auf einer kleinen Anhöhe, hinter dem wir die Leiche des Führers, eines blutjungen Leutnants, fanden. Offenbar hatte die Nachhut bis zum letzten Mann den Rückzug ihrer Kameraden gedeckt. Unwillkürlich nahmen wir den Helm ab, um die gefallenen Feinde zu ehren.
Auch die 6. Armee rechts von uns hatte in diesen ersten Kampftagen den Feind zurückgeworfen. Sie stand jetzt mit dem rechten Flügel vor den französischen Befestigungen um Nancy. Auf unserem linken Flügel hatte das XIV. Reservekorps die Donon- stellung genommen und war im Vormarsch durch das Plaine- und Breuschtal. Es war ein Sieg auf der ganzenLinie, aber doch wieder, wie bei Mülhausen, nur ein Frontalsieg, ein „ordinärer Sieg", den die Truppe erkämpft hatte und der zu keinem Lorbeerkranz für ein strategisches Meisterwerk der Führung berechtigte.
Zufolge einer neuen Direktive der Obersten Heeresleitung, welche von einer Verfolgung des geschlagenen Feindes in scharf südlicher Richtung noch große Erfolge gegen die an und in den Vogesen stehenden französischen Kräfte erhoffte, befahl der Kronprinz Rupprecht, daß der linke Flügel der 6. Armee und die 7. Armee in südlicher Richtung (7. Armee gegen Linie Rambervillerö—St. Diö)
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