Vielleicht ließ man sich durch schwachen Feind fesseln, anstatt selbst überlegene Kräfte festzuhalten. Unter diesen Umständen könne nur der Angriff Klarheit schaffen.
Die Oberste Heeresleitung, die sich überhaupt zu einer straffen operativen Führung nicht aufraffen konnte, gab diesem Drängen nach, und der bayrische Kronprinz entschloß sich, schon am 20. August anzugreifen. Die Fallenstrategie war also aufgegeben.
Damit war aber auch die Einwirkung der 7. Armee gegen die französische rechte Flanke unmöglich geworden. Sie verlängerte lediglich die Front der 6. Armee nach links. Bei dem Angriff fiel dem XV. Korps und links davon dem XIV. Reservekorps der schwerste Teil der Aufgabe zu, denn er führte uns in das gebirgige Waldgelände der mittleren Vogesen. Nur Schritt vor Schritt ging eS unter erheblichen Verlusten vorwärts.
Am 20. und 21. August kämpfte sich meine zo. Division über Vallerystal—Biberkirch bis Alberschweiler durch, während die Z9. Division eine starke Stellung bei St. Leon mit Unterstützung der schweren Artillerie erstürmte und die Höhen von Soldatenthal erreichte. In der Nacht zum 22. August ging der Feind aus Alberschweiler zurück und ließ 48 Geschütze in den Händen der nachdrängenden zo. Division. Am 22. abends erreichten wir mit den vordersten Teilen Sauffenrupt.
Diese ersten Kampftage haben uns die ganzen Schwierigkeiten des Ringens in dem riesigen Waldgebirge durchkosten lassen. Eine planmäßige Gefechtsführung war in dem unübersichtlichen Gelände fast unmöglich. Taktische Umfaffungsmanöver waren nur selten ausführbar, weil es an Weg und Steg fehlte, und schon eine Handvoll feindlicher Soldaten konnte mit einem Maschinengewehr, hinter irgendeiner überhöhenden Waldkuppe postiert, Umgehungen leicht verhindern. Unheimlich war dieser Krieg im Dunkel der Wälder gegen einen meist unsichtbaren Feind, der oft erst mit dem Bajonett aus seinen Verstecken geworfen werden konnte. Vor allem die französischen Alpenjäger, die durch ihre Schulung für den Ge- birgSkrieg besonders geeignet waren, machten uns schwer zu schaffen. In kleinen Gruppen aufgelöst, oft auch in den Bäumen hockend, ließen sie unsere Infanterie erst durch, um sie dann von allen Seiten unter ein mörderisches Feuer zu nehmen. Sie waren zähe und tapfere
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