gefangen. Es waren 48 Mann, die es sich als Sicherungsabteilung in dem Hause gemütlich gemacht hatten.
Kleinere Abteilungen leisteten noch kurzen Widerstand an der Brücke über die Meurthe, auch aus einzelnen Häusern wurde noch geschossen. Im übrigen fiel der Ort kampflos, und unsere ausgehungerten Leute konnten sich an die gedeckten Tische setzen, die von den überraschten Franzosen in wilder Eile verlassen waren. Ein Teil der feindlichen Soldaten hatte sich aber in Kellern und Scheunen verkrochen. Von diesen wurden noch am nächsten Tage einzelne deutsche Soldaten aus dem Hinterhalt erschossen, darunter auch der Adjutant und der Ordonnanzoffizier des Feldartillerie- Regiments 51, als sie an einem Brunnen ihre Pferde tränkten.
Am 27. August wird Etival genommen, und nach schweren Kämpfen konnte am 4. September die zy. Division mit Unterstützung von Teilen des XIV. Reservekorps La Salle besetzen. Es handelte sich in diesen Tagen schwersten Ringens darum, den Austritt aus dem Waldgelände gegenüber von Rambervillers zu erkämpfen.
Bevor jedoch dieses Ziel erreicht werden konnte, traf am 5. September ein Befehl der Obersten Heeresleitung ein, daß mein XV. Korps und das Oberkommando der 7. Armee herausgezogen werden sollten zum Abtransport nach Norden. Nach Ablösung durch die Nachbarkorps wurden wir bei Avricourt und Heming verladen. Über das Ziel der Fahrt wußte ich genau so wenig wie jeder Musketier. Wir waren aber heilfroh, aus den ebenso ent- scheidungslosen wie verlustreichen Wald- und Gebirgökämpfen herauszukommen und auf dem Nordflügel verwendet zu werden. Man sprach schon so viel von dem baldigen Fall von Paris, daß wir fürchteten, zu spät zu kommen.
Was war nun das strategische Ergebnis der vierzehntägigen Kämpfe in den Wäldern der Vogesen? Die 6. und 7. Armee hatten wohl feindliche Kräfte gefesselt, aber nun saßen wir selbst mit starken Kräften vor der befestigten Moselfront fest und fielen aus bei der soeben beginnenden großen Waffenentscheidung an der Marne. Unmittelbar nach der dreitägigen, siegreichen Schlacht in Lothringen vom 20.—22. August, durch die der Schutz der linken Heeresflanke strategisch gewährleistet war, hätten noch rechtzeitig
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