Am Nachmittag fahre ich deshalb zur zo. Division. Unterwegs lasse ich halten und klettere auf den Dachboden eines halb- zerschoffenen, noch rauchenden Gehöfts, wo ein Artillerieftab seine Beobachtungsstelle hatte. Aus der Dachluke bietet sich ein Rundblick über das schauerliche Drama der Schlacht. Ringsum lodert ein Feuerkreis der in Flammen stehenden Dörfer und Gehöfte. Ununterbrochen donnern unsere Kanonen, und dazwischen krachen die Einschläge der feindlichen Granaten. Das helle, durchdringende Knattern der Maschinengewehre wird nur in den kurzen Atempausen des tödlichen Konzerts laut.
Dicht neben dem zerschossenen Gehöft liegt eine Kompagnie in Reserve. Jetzt erhebt sie sich, schwärmt aus wie auf dem Exerzierplatz und arbeitet sich sprungweise in Schützenlinie vorwärts. Ein Eisenhagel schlägt in die Reihen, der Qualm der Granateinschläge verschlingt die Menschen. Der schwere flandrische Boden spritzt in riesigen Fontänen gegen den Himmel, und die Sprengstücke surren mit heulendem Geräusch um uns. Manche klatschen hart gegen das Dach der Beobachtungsstelle. Wir sehen einzelne Leute fallen, manche rappeln sich wieder aus und stolpern in dem zerwühlten Dreck weiter vorwärts, andere bleiben liegen, still für immer. Die Überlebenden gehen unaufhaltsam vorwärts, durch Eisen, Feuer und Rauch. Es geht um die höchste Pflicht der Kameradschaft, die in vorderster Linie zusammengeschossenen Truppen mit den eigenen Leibern zu unterstützen. Tapfere Offiziere! Todesmutige Soldaten! Und doch kommt der Angriff vor Gheluvelt inS Stocken.
Die Armeeleitung befiehlt Fortführung des Durchbruchversuchö. Am nächsten Morgen bin ich frühzeitig wieder bei der zo. Division, um mit ihrem ausgezeichneten Führer, dem General Wild von Hohenborn, die Einzelheiten des Angriffs auf Gheluvelt zu besprechen und die Mitwirkung des nördlichen Nachbarkorps sicherzustellen.
In der Nähe von Hohenborns Gesechtsstand, an der Straßenkreuzung östlich Gheluvelt, später nach mir DeimlingS-Eck genannt, muß ich mein Auto verlassen, weil es durch zahlreiche Treffer betriebSunfähig wird. Ich erreiche zu Fuß den Gefechtsstand des Generals und beginne gerade, mit ihm über die Lage zu sprechen, als ein Feuerüberfall der feindlichen Artillerie auf das Straßenkreuz
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