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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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preisgegeben. Vor allem mußten Äsen und Holzkohle für die Unter­stände herbeigeschafft werden, wollene Decken und Säugpumpen gegen das immer höher steigende Wasser. Hinter der Front wurden Kaffeeküchen eingebaut und Badegelegenheiten geschaffen.

Gegen die furchtbare und hygienisch gefährliche Rattenplage ließ ich mir auS der Heimat Terrier und andere weniger rassereine Köter in Massen verschreiben, die dem Ungeziefer zu Leibe gingen. Ein Netz von Förderbahnen entstand für den Nachschub, um uns von den ewig unter schwerem Feuer liegenden Straßen unabhängig zu machen und das knappe Pferdematerial zu schonen. Später bauten wir eine Wasserleitung von ioo km Länge, die einwandfreies Trinkwasser bis in die vordersten Bereitschaften lieferte. Selter- wafferfabriken und Milchhallen folgten.

Hinter der Front legte sich jede Kompagnie liebevoll betreute Gemüsegärten an, um die Eintönigkeit der Verpflegung zu mildern. Praktische Offiziere und tüchtige Feldwebel haben ihren Leuten in erfindungsreicher, nicht immer kristallklarer Weise wesentliche Erleichterung schaffen können. Für die Truppen in der Ruhe­stellung ließ ich Feldkinos errichten, die sich großer Beliebtheit erfreuten und wenigstens für eine Stunde den Dreck der Gräben vergessen machten. Gelegentlich konnten wir auch Theater und Konzerte für die Ruhetruppen arrangieren, zu denen namhafte Künstler sich auS der Heimat zur Verfügung stellten.

Auch eine Kriegszeitung wurde für das Korps herausgegeben, an der die Mannschaften mit deftigen Beiträgen mitwirkten. An ein PreiSausschrciben erinnere ich mich noch, ich weiß aber nicht mehr, ob es in unserer Korpszeitung war. In zweihundert Worten sollte ein humoristisches FelderlebniS geschildert werden. Ein braver Musketier schrieb:Feldwebel ging immer abends auf Latrine. Wir sägten Stange an. Feldwebel kam und fiel in Latrine. Restliche 184 Worte sagte Feldwebel, als er sich herausarbeitete."

Wenn auch der Humor unserer Leute nicht totzukriegen war, so hatte doch der Stellungskrieg vor Ppern nichts gemein mit einem gemütlichen Lagerleben, wie es in früheren Kriegen während des Winters zu herrschen pflegte. Immer noch waren die Höhen vor Ppern in der Hand des Feindes, dessen Artilleriebeobachter unsere Stellungen wie einen Teller übersahen. Sappenangriffe und Minen-

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