ich mich beim Kronprinzen ab. Auch er hatte seinen Generalstabschef gewechselt. Zwischen dem General Schmidt von Knobels- dorf und dem Kronprinzen hatten sich die Meinungsverschiedenheiten über die Offensive aus Verdun bis zur Unerträglichkeit verschärft. Der Kronprinz wollte schon lange den Angriff einstellen, aber Knobelsdorf stand ganz auf der Seite FalkenhaynS mit seiner Jermürbungsstrategie bis zum Weißbluten.
Zwischen dem Abbau vor Verdun und dem Einsatz an der Somme lag für mein KorpS nur eine Pause von 14 Tagen. Die Zeit mußte zur taktischen Schulung der Truppen ausgenutzt werden. Die Erfahrungen hatten immer mehr zu der Erkenntnis geführt, daß in der modernen Materialschlacht nicht die Massen den Erfolg tragen, sondem kleine entschlossene Abteilungen von ausgesuchten Männern ohne Nerven. Solche Stoßtrupps erreichten unter geschickter Führung oft ihr Ziel, während zum Massenstoß eingesetzte Kräfte fast immer zusammengeschossen wurden.
Seit dem 24. Juni tobte die Schlacht an der Somme. Unter Einsatz ungeheurer Munitionsmengen und zum erstenmal auch von Tanks, suchten Franzosen und Engländer immer wieder unsere Front zu durchbrechen. Es gelang ihnen aber nur, unsere Linie einzubeulen und 10—15 Km zurückzudrücken.
Ich hatte den Abschnitt 6 der Somme-Stellung zu übernehmen, gegenüber von Sailly-Saillisel, unter Befehl der i. Armee des Generals Fritz von Below.
Meine Truppen lagen dem beherrschenden, von Franzosen besetzten Dorf auf etwa zoc>—400 m in breitem Bogen gegenüber. Es war keine durchlaufende Stellung vorhanden, sondern die Schützen mußten in den schlammigen Granatlöchern des Trichterfeldes Deckung suchen. Dabei bot sich der feindlichen Artillerie von dem hochgelegenen Sailly aus glänzende Beobachtung, und die Granaten schlugen ohne Unterbrechung wohlgeziett in unsere vorderste Linie und die Bereitschaften ein. Die rückwärtigen Verbindungen führten über eine deckungSlose Hochfläche, deren Durchschreiten bei Tag selbst für einzelne Melder fast unmöglich war. Oft konnten nur Brieftauben Meldungen zurückbringen.
Um für unsere Truppen erträgliche Verhältnisse zu schaffen, mußte dem Gegner das Dorf Sailly-Saillisel entrissen werden.
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