sollte ich nun den Schlußakt der Tragödie tatenlos als Zuschauer erleben. „Gesundheitszustand?" Gewiß, wer 2V- Jahre lang ein Korps im Westen geführt hat, immer an den Brennpunkten des Kampfes, der mußte die Zeit an den Nerven spüren. Aber ich fühlte mich gesundheitlich den Anstrengungen bevorstehender Kämpfe durchaus gewachsen.
Und „gedeihliches Zusammenarbeiten mit mir sei in Frage gestellt"? Während des ganzen Krieges habe ich nicht die geringsten Reibungen mit meinen Vorgesetzten gehabt. Jener Vorwurf kann sich also nur auf den Mangel an gedeihlicher Zusammenarbeit mit dem hohen Generalstab bezogen haben. Dem Generalstab, dessen Stellung als in sich geschlossener Clique innerhalb der Armee unter L udendvr ff immer selbstherrlicher wurde, war eben ein Truppen- führer unbequem, der seine Selbständigkeit wahren und sich vom grünen Tisch nicht innerhalb seines Korps bevormunden lassen wollte. Zu dieser Sorte von Generälen gehörte ich allerdings.
Doch ich will nicht anklagen. Der Soldat hat zu gehorchen, nicht nach Gründen zu fragen, besonders, wenn es sich um die eigene Person handelt. Aber das Bewußtsein, mitten im Kriege ausgeschaltet zu werden, war für mich ein schwer verwindbarer Schmerz.
Am nächsten Tage nahm ich Abschied von meinem Stäbe. Die Trennung von meinen Mitarbeitern war besonders hart. Der Chef, Major von Amsberg, der la Major Obkircher und die anderen Generalstabsoffiziere und Adjutanten, vor allem auch der Generalarzt Dr. Brandt, haben mich ausgezeichnet unterstützt, und ich konnte ihnen meinen Dank aus vollem Herzen auösprechen. Mein letzter Gang galt meinen Pferden. Was würde aus den braven Tieren im Kriege noch werden! Schon jetzt sahen sie bei halber Ration fast so mager aus wie meine Pferde in Südwest. Ich klopfte jedem noch einmal auf den Hals und blieb noch eine Minute im Dämmerlicht des Stalls stehen. Vor den Tieren brauchte ich nicht die Haltung zu zeigen, die man von einem Soldaten verlangen darf.
Dann fuhr ich nach Straßburg. Dort war ja meine Frau, die mir bisher alles Schwere im Leben hatte tragen — und überwinden helfen.