geworden ist. Am gleichen Tage aber kam ein Brief meines Armeeführers, der mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf. Er lautete:
„Mein lieber Deimling!
Nun hat Seine Majestät entschieden und Ihnen hohe Ehrungen erwiesen. Dazu beglückwünsche ich Sie von Herzen. Daß Sie trotzdem es schwer empfinden, nicht mehr an der Beendigung des großen Krieges selbst tätig teilnehmen zu können, wird Ihnen jeder Soldat nachempfinden. Ich bitte Sie, meinen aufrichtigen Dank anzunehmen für die kameradschaftliche selbstlose Art, in welcher Sie die letzten fünf Monate mit mir zusammengearbeitet haben; ich werde es nie vergessen und bitte Sie, auch mir ein gutes Andenken zu bewahren.
In guter alter Kameradschaft' bleibe ich Ihr aufrichtig ergebener
gez. Gündell."
Diesem Brief lag die Abschrift eines Schreibens vom Chef des Militärkabinetts aus dem Großen Hauptquartier bei, das wie folgt beginnt:
„Seine Majestät der Kaiser und König haben den General der Infanterie von Deimling, Kommandierenden General des XV. Armeekorps, als eine frische, echte Soldatennatur, beherrscht von zähem Siegeswillen, hochgeschätzt und dankbar seine zahlreichen Kriegs- und Friedensverdienste anerkannt.
Au um so größerem Bedauern hat sich Seiner Majestät nunmehr die Erkenntnis aufgedrängt, daß die zermürbenden Einflüsse des Krieges doch auch auf den Gesundheitszustand dieses vortrefflich bewährten Generals nicht ohne Einfluß geblieben sind, so daß er nach übereinstimmenden Urteilen der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz und Kronprinz Rupprecht sowie des Generalfeldmarschalls von Hindenburg den Anstrengungen bevorstehender Kämpfe nicht mehr gewachsen und ein gedeihliches Zusammenarbeiten mit ihm in Frage gestellt sei." Des weiteren wurde mir in höflichster Form mit vielen anerkennenden Worten aufgegeben, mein Abschiedsgesuch zum i. September vorzulegen.
Der Schlag traf mich hart. Mitten aus dem Krieg herausgerissen.
15 Deimling. Zeit
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