Heeres, der Verfall der Mark, die Vermehrung der Arbeitslosigkeit, alles trug dazu bei, die Lage der arbeitenden Massen zu erschweren und politischen Radikalismus zu begünstigen. In München wurde Kurt Eisner erschossen und Erhard Auer verwundet. Reichötruppen wurden um München zusammengezogen, aber noch ehe sie einrückten, hatte die Bevölkerung in ungeheurer Erregung über die Ermordung von Geiseln durch die rote Armee die Räteregierung gestürzt.
Am 11. Februar wählte die Nationalversammlung Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten. Eine furchtbare Krisis für das junge Parlament und die junge Republik bildete dann die Entscheidung über Annahme oder Ablehnung des Friedensvertrages.
Am 17. Juni kehrte unsere Delegation aus Versailles zurück. Sie hatte zwar nicht unbedeutende Zugeständnisse erreicht, aber den Charakter des GewaltdiktatS nicht ändern können. Ein Schrei des Schreckens und der Entrüstung ging durch ganz Deutschland.
Würde die Nationalversammlung sich für Annahme oder Ablehnung aussprechen? In wenigen Tagen mußte die Entscheidung fallen. „Lieber tot, als Sklav'", sagten damals viele, die uns bis heute erhalten geblieben sind.
Wie ich persönlich in dieser Zeit dachte, mag ein Artikel zeigen, den ich einige Tage vor Annahme des Friedensvertrages im „Badener Tageblatt" veröffentlicht habe:
„Warum wir den Frieden unterzeichnen müssen.
Wenn wir den Frieden nicht unterzeichnen, werden am nächsten Montag die Feinde von allen Seiten in Deutschland einrücken.
Von Westen: Franzosen, Marokkaner, Siamesen, Annamiten, Kanadier, Australier, Amerikaner, Engländer, Belgier. Von Norden, über die Ostsee kommend: Engländer; von Osten die Polen; von Südosten die Tschechen und Slowaken; von Süden die Italiener.
Noch einmal wird uns durch dieses Völkergemisch eindringlich vor Augen geführt, welch gewaltigen, aber auch welch aussichtslosen Kampf wir vier Jahre lang geführt haben, den Riesenkampf gegen die ganze Welt.
Süddeutschland wird hermetisch von der Schweiz abgeschlossen werden durch Besetzung des Rheins von Basel bis Konstanz. —
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