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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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Die feindlichen Kolonnen werden vorrücken bis zur Linie Ulm Würzburg. Man wird die Mainlinie besetzen, um Süddeutschland von Norddeutschland zu trennen.

Das LiedNicht mehr scheidet uns der Main" ist ausgeklungen. Unser Industrie- und Ruhrkohlengebiet wird der Feind in die Hand nehmen und wird Bremen, Hamburg, Berlin besetzen. Unseren im Westen und Süden stehenden Truppen bleibt nichts anderes übrig, als nach der Mitte Deutschlands zu flüchten, wenn sie nicht in Kriegsgefangenschaft geraten wollen.

Es wird Kriegszustand bei uns herrschen, d. h. auf gut deutsch: der Feind kann mit uns machen, was er will. Wir können nur mit den Zähnen knirschen und die Hand im Hosensack ballen. Es wird sein wie einst in den Niederlanden unter Herzog Alba.

Wir müssen die Feinde verpflegen; daß die Schwarzen dabei eine gute Klinge schlagen und einer so viel futtert wie zwei Weiße, weiß ich aus Südwestasrika. Die Milchkühe, die sie brauchen und noch einige dazu, werden sich die Franzosen aus den Ställen holen; sie werden die Maschinen aus den Fabriken fortführen und sich bei all dem darauf berufen, daß wir es in Nordfrankreich und Belgien ebenso gemacht hätten.

Post, Telegrafen, Eisenbahnen werden gesperrt, alle Bank­guthaben beschlagnahmt, und die durch Hunger und Drangsal heruntergekommene und nicht mehr voll arbeitsfähige Million deutscher Kriegsgefangener wird ausgetauscht werden gegen eine Million neuer Kriegsgefangener.

Die Folgen dieser Zustände und der vollkommenen Unterbindung jeglicher LebenSmittelzufuhr werden Plünderungen und katastro­phale Umwälzungen im Innern sein.

Das Schlimmste vom Schlimmen aber ist, daß unter dem Einfluß der feindlichen Besetzung das Deutsche Reich unrettbar in seine Gliedstaaten auseinanderfallen wird.

Unser heiliges LiedDeutschland, Deutschland über alles" wird ausgeklungen sein, denn es wird kein Deutschland mehr geben. I'inis Ovimanis-s!

Anders aber, wenn wir den Frieden unterzeichnen! Dann hört die Blockade auf, es kommen Lebensmittel herein, Handel und Ver­kehr spinnt sich wieder an. Die gegnerische Geschäftswelt hat schon

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