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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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schneller käme! Ich glaube, auch Frankreich hätte klein beigegeben, wenn wir am 15. Juli gewonnen hätten. Ich glaube, Frankreich war dann ins Herz getroffen. ES kam nicht mehr auf einen Sieg wie bei Cannä oder Tannenberg an, sondern auf einen neuen Sieg. Wir hatten noch Millionen unter den Waffen waren besiegt, weil die innere Widerstandskraft verloren gegangen war, und das durfte nicht sein und brauchte nicht sein. Ich erinnere an Rumänien Serbien. Und ich vermag Ew. Exz. nicht beizupflichten, daß wir zusammenbrechen mußten. Ich würde zustimmen, wenn ich das Gefühl hätte, wir hätten alles getan, um diesen Zusammenbruch zu verhindern und den Feind dafür zu treffen. Das haben wir nicht getan, und so glaube ich bei meiner Ansicht bleiben zu können. Ich weiß, daß hier auch fernerhin Ansicht gegen Ansicht steht. Vielleicht wird es aber mir oder meinenKriegserinnerungen" gelingen, bei Ew. Exz. gewisse Ansichten zu klären, denen auch Ew. Exz. sich hingeben mußten, solange allein die Oberste Heeresleitung ver­klatscht wurde, um die Revolution zu rechtfertigen.

Diesen Versuch wird jetzt niemand mehr machen wollen, und so hoffe ich, daß mein Handeln nach und nach als gerechtfertigt da­stehen wird und daß man mir auch da gerecht zu werden sich be­mühen wird, wo die Ansichten andere bleiben.

In alter Verehrung bin ich Euer Exzellenz gehorsamer

Ludendorff."

Baden-Baden, 1. Oktober 1919.

Hochverehrter Herr General!

In Euer Exzellenz Brief vom 2z. 9., für den ich verbindlichst danke, steht u. a.: .Damit Ew. Exz. klar sehen, wie eS in Berlin bei den national denkenden Männern aussieht/

Ja, glauben denn Ew. Exz., daß ich nicht zu den national denken­den Männern gehöre? Ich bilde mir sogar ein, daß ich viel nationaler denke als die nationalen Männer in Berlin. Denn ich denke, fühle und handle so, wie es der Kaiser in seinem letzten Wort an die Offi­ziere verlangt hat: sie sollen die Regierung unterstützen, damit die Ordnung erhalten und das Chaos und der Untergang des Vater­landes vermieden werde. Tun das die nationalen Männer in

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