Berlin? — Sie tun das Gegenteil. Sie erschweren durch direkte und indirekte Opposition der Regierung die Sicherung der Ordnung. — ES handelt sich jetzt darum, unser Vaterland erst einmal durch die Krisis hindurch und wieder emporzubringen. Wer dabei mithilft, den nenne ich national.
Meinen Bries an Erzberger habe ich geschrieben, weil er Rekchs- finanzminister ist und als solcher das Amt hat, uns vor dem StaatS- bankrott und damit vor dem Untergang zu bewahren. Einen solchen Mann — gleichgültig ob er Erzberger oder Müller oder Schulze heißt — sollte man seines verantwortungsvollen AmteS in Ruhe walten lassen. Anstatt dessen bekommt das deutsche Volk seit Monaten fast täglich den Stank zu lesen, den Herr Helfferich gegen Erzberger loszulassen für gut findet.
Bis zum Ekel angewidert durch dieses vergiftende Treiben, habe ich meinen Brief an Erzberger geschrieben. Daß er nicht beliebt ist, weiß ich. Ich weiß aber auch, daß er der erste Finanzminister ist, der eS wagt, die Kriegsgewinnler rücksichtslos an ihrem wunden Punkt, dem Geldsack, zu packen. Daher denn auch die Wut gegen ihn.
Ew. Exz. schreiben, daß man über mich erregt gewesen sei nicht wegen meines Wunsches nach Wahrheit, sondern weil ich diesen Wunsch ausgerechnet an Erzberger gerichtet hätte.
Hierzu bitte ich bemerken zu dürfen, daß, wenn die Erregung auch noch so groß war, sie niemals in persönliche, ehrabschneidende Angriffe ausarten durfte. Wer angreift, wird wieder angegriffen. DaS ist ganz in der Ordnung. Aber sachlich, loyal und anständig muß der Kampf sein.
Mit der Versicherung usw.
Deimling."
Im Gegensatz zu der loyalen Polemik LudendorffS hat mich die hinter ihm stehende Presse wegen des Erzbergerbriefes mit einem wahren Trommelfeuer von persönlichen Beschimpfungen und Verleumdungen überfallen. Ich habe ja später wegen meines Eintretens für die Republik noch allerhand Wunder an Gehässigkeit erleben müssen, aber so toll wie damals ist es nie wieder gekommen. Allerdings hat es mir auch nicht an Zustimmung und Anerkennung
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