politischen Konsolidierung Deutschlands erlitt einen schweren Stoß, der durch die Zerstörung unserer Währung allen fühlbar wurde.
Der bittere Groll der Massen richtete sich gegen die Geheim- bünde. Ihren Geist machte man für die Mordatmosphäre verantwortlich. Auch gegen Philipp Scheidemann wurde ein Attentat unternommen, und nur durch einen Glücksfall entging er dem gleichen Schicksal wie Erzberger und Rathenau.
Diese Geheimorganisationen, wie Orgesch, Oberland, Roßbach, Consul, Schwarze Reichswehr u. a., waren militärisch aufgezogene Verbände. Ihren Kem bildeten ehemalige Militärs, deren Existenz durch den Jusammenbruch entwurzelt war und die nicht die Energie hatten, sich auf einen bürgerlichen Beruf umzustellen. Sie wollten lieber so eine Art von Landsknechtleben führen und waren innerlich vielleicht davon überzeugt, einem edlen, patriotischen Zweck zu dienen. Sie warfen die Schuld an dem ganzen Elend nicht auf den verlorenen Krieg, sondern auf die Republik, auf die „Novemberverbrecher" und auf die Juden. Aus Kreisen der Industrie und des Großgrundbesitzes wurden sie finanziell unterstützt, um als Kampftruppe gegen die linksradikale Bewegung zu dienen. Mit der Festigung der staatlichen Gewalt gingen die Geheimverbände zum Teil ein oder zerfielen von selbst oder wurden von der Regierung aufgelöst.
Zu jener Zeit ging wieder einmal eine starke antisemitische Welle durch die deutschen Lande, die mich als alten Soldaten verpflichtete, für die jüdischen Frontkameraden einzutreten. Vor allem bezichtigte man die jüdischen Kriegsteilnehmer der Drückebergerei. Überall seien sie zu sehen gewesen, nur nicht im Schützengraben. Nun habe ich als Kommandierender General die Erfahrung gemacht, daß die jüdischen Soldaten und Offiziere ihre Pflicht und Schuldigkeit genau so getan haben wie ihre Kameraden von anderen Konfessionen. Manchem Juden konnte ich daS Eiserne Kreuz übergeben, einigen sogar das der I. Klasse.
Es war nicht schwer, die Vorwürfe zu entkräften, denn die Statistik redete eine zu deutliche Sprache. Danach haben 80000 jüdische Soldaten an der Front gestanden, von denen 12000 auf den Schlachtfeldern geblieben sind. Etwa Z5000 haben Kriegs-
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