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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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mit mir über die jüngsten Ereignisse und dankte mir dafür, daß ich es nicht mache wie die meisten meiner Kameraden und verbittert beiseite stände, sondern daß ich aktiv mithelfe am Wiederaufbau.

Er lobte besonders den General von Seeckt. Nach allem, was ich über diesen Offizier, den ich persönlich nicht kannte, in Kameraden­kreisen gehört und über seine Generalstabstätigkeit im Weltkriege gelesen hatte, konnte ich Ebert nur beistimmen. Ich nahm die Ge­legenheit wahr, um dem Reichspräsidenten zu danken für die ver­ständnisvolle Fürsorge, die er den Offizieren der alten Armee er­wiesen hat. Denn es gab in der Nationalversammlung in Weimar gewichtige Stimmen, wie z. B. die des Abgeordneten Gröber vom Jentrum, die der Ansicht waren, daß eine Nation, die im Kriege alles geopfert habe, im neuen Staat nicht gezwungen werden könne, die Offiziere deö alten Staates zu erhalten. Auch wurde geltend gemacht, daß in der preußischen Monarchie nach dem Niederbruch von 1806 Pensionen überhaupt nicht oder nur in beschränktem Maße gezahlt worden sind.

Da aber trat Ebert in die Schranken und verteidigte die gesetz­lichen Ansprüche auf Pensionen. Auch setzte er durch, daß den jungen, nicht pensionSberechtigten Offizieren Juschüsse bewilligt wurden, um ihnen die Einarbeitung in Iivilberufe zu erleichtern. Dank dafür hat weder er noch die Republik erfahren.

Ich schied von Ebert nach einer langen Aussprache wie von einem Menschen, den man wegen seiner schlichten, vertrauen­erweckenden Güte rasch liebgewinnt.

Bald nach meinem Besuch beim Reichspräsidenten zwang mich ein gehässiger Angriff von rechts, an den ehemaligen Kaiser Wilhelm zu schreiben.

In denMonatsheften für Politik und Wehrmacht" behauptete ein Generalleutnant Rohne, ich hätte nach dem Zusammenbruch die Auslieferung des Kaisers an die Entente befürwortet. Ich habe den Herrn Kollegen nachdrücklichst veranlaßt, zu revozieren. Um aber solchen Gerüchten ein für allemal die Spitze abzubrechen, schrieb ich einen Brief an den ehemaligen Kaiser, in dem ich jene Behauptung entschieden zurückwies und die Gründe offen darlegte, die mich veranlaßt hatten, am Wiederaufbau deö Vaterlandes nach Kräften mitzuarbeiten.

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