volle Dienstlaufbahn zurückgelegt hat, ankämpft, daß er es unternimmt, zum Eintritt in das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold aufzufordern, welches er als in Wahrheit allein als national und patriotisch anerkennt, zwingt uns festzustellen, daß er selbst die Scheidung von seinen Kameraden und von der alten Fahne vollzogen hat."
Daraufhin habe ich folgende Gegenerklärung veröffentlicht:
„Der deutsche Offizierbund, der Nationalverband deutscher Offiziere und der Reichsoffizierbund haben mich durch gemeinsame öffentliche Erklärung in Acht und Bann getan, weil ich für die Republik, das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und den Völkerbund eintrete, trotzdem ich früher Kommandierender General war.
Für einen solchen ziemt es sich in ihren Augen also nur, verbittert oder gleichgültig und „vornehm" beiseite zu stehen. Das ist zwar bequemer, aber damit dient man seinem Vaterlande nicht. Nein, gerade weil ich General war, empfinde ich es als sittliche Pflicht, meinem Vaterlands, dem 50 Jahre lang meine Arbeit und mein Streben gegolten, auch weiter tatkräftig zu dienen, getreu meiner Überzeugung und solange ich noch die Kraft dazu habe.
Und jene, die glauben, mich verurteilen zu sollen, werden mir die innere Freudigkeit hierzu niemals rauben können. Auch weiß ich, daß es genug Kameraden gibt, die innerlich ebenso denken wie ich, und daß alle einsichtsvollen Deutschen mir recht geben."
Für einen alten Offizier, der so wie ich an seinem Beruf hing, war es natürlich im Anfang schwer, so plötzlich jeden Zusammenhang mit den Kameraden zu verlieren. Nur finsterer Kastengeist kann es fertigbringen, einen Menschen gesellschaftlich zu ächten, weil er eine andere politische Meinung hat und sie ehrlich vertritt. Aber nach Überwindung der ersten bitteren Gefühle habe ich mich bald in die Rolle des Verfemten gefunden. Denn ich habe in republikanischen Kreisen so viele prächtige, vaterlandsliebende Männer kennengelernt, daß es mir an persönlichen Freunden nie gefehlt hat.
Ich hege auch keinen Groll gegen meine ehemaligen Kameraden, weil ich weiß, daß die an das Mittelalter erinnernde Methode, Andersdenkende zu verfemen, lediglich von den obersten Führern der Verbände ausgeht. Die Mitglieder dagegen, namentlich die
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