jüngeren, die nicht durch die Pensionen der Republik versorgt sind, haben zum größten Teil Verständnis für die neue Zeit und sind innerlich bereit, den Staat, wie er ist, zu bejahen. Aber der gesellschaftliche Terror, den jene alten Generale ausüben, hindert die Schwachen, Farbe zu bekennen.
Vielleicht haben die Offizierverbände geglaubt, daß mich ihr Bannftrahl mundtot machen würde. Sie haben das Gegenteil erreicht und meiner Arbeit für die Republik eine Folie gegeben, die ich gar nicht verdiene. Nicht nur die inländische, sondern auch die ausländische Presse behandelte meinen Fall, und ich war eine Zeitlang ein berühmter oder doch berüchtigter Mann. Eine besondere Genugtuung war es für mich, daß selbst der „Urwaldbote" in Südbrasilien einen Schmähartikel brachte. Dankbar aber gedenke ich der Unterstützung, die ich in der gesamten republikanischen Presse Deutschlands in meinem damaligen Kampf gefunden habe.
Auch der badische Staat hat seinen Schild vor mich gehalten: als ich in einer badischen Zeitung aufgefordert wurde, „gen Frankreich zu ziehen, wo ich sicher mit offenen Armen aufgenommen würde und eine Versorgungsstelle erhielte", da hat die Staatsanwaltschaft Offizialklage gegen den Artikelschreiber und die Zeitung erhoben. Beide wurden wegen Beleidigung bestraft und die von der Zeitung gegen das Urteil eingelegte Revision vom Reichsgericht verworfen.
Im Badischen Landtag hat der Generalstaatsanwalt auf eine Anfrage von deutschnationaler Seite erwidert, die Beleidigungsklage sei von der Staatsanwaltschaft aufgenommen worden, da es im öffentlichen und staatlichen Interesse nicht geduldet werden könne, daß ein Mann, der sich um die verfassungsmäßige Staatsform und um die verfassungsmäßigen Farben große Verdienste erworben habe, wegen dieser Einstellung in verletzender Weise beleidigt würde.
Eine besondere Freude hat mir der Reichspräsident Ebert bereitet, indem er mir mit einem Dankesschreiben den kunstvoll mit Federzeichnung auf Goldgrund ausgeführten Reichsadler übersenden ließ. Darunter steht: „Gabe des Reichspräsidenten am Verfassungstage 1924."
Das Wappen hängt unter Glas und Rahmen in meinem Arbeitszimmer inmitten von Emblemen der alten Zeit. Vergangenheit und
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