ich froh bin über Hindenburgs Wahl, denn der neue Präsident hat sich als starke Stütze der Republik und des europäischen Friedens erwiesen.
Am 21. März 1928 kam mein 75. Geburtstag heran, und mit diesem Tage will ich das Buch meines Lebens schließen. Es war ein Leben voll Mühe und Arbeit, und darum ist eS köstlich gewesen, und dankerfüllt blicke ich zurück. Aber ich will jetzt nicht ausruhen, sondern an meinem kleinen Teil weiterarbeiten für die Zukunft meines Vaterlandes und den Frieden in der Welt.
Dank vor allem muß ich meiner Lebensgefährtin sagen, die mir fünfzig Jahre lang treu zur Seite gestanden und nicht eine Minute bei allen Anfeindungen und Verleumdungen daran gezweifelt hat, daß ich immer in meinem Leben ohne Eigennutz das Beste für mein Vaterland gewollt habe.
Und der verlorene Krieg! Soll ich seinetwegen mein Soldatenleben als „vergeblich" betrachten? Nimmermehr! Denn das deutsche Heer, dem durch vierzig Jahre mein Streben und meine Arbeit galt, hat die Übermacht der Feinde von den deutschen Grenzen ferngehalten und das Reich vor der Zertrümmerung bewahrt. Niemals hat ein Heer so Großes und Gewaltiges geleistet. Darum blicke ich trotz des verlorenen Krieges mit Stolz auf mein Soldatenleben zurück.
Und mein Kämpfen nach dem Zusammenbruch! Ist es nicht reichlich belohnt worden? Deutschland ist im Völkerbund, die Verständigung der Nationen schreitet vorwärts, und die Republik steht festgefügt. Millionen von Reichsbannerkameraden sind bereit, sie gegen alle Angriffe zu schützen.
Und ich selbst! Ich werde nie vergessen, was uns das Kaiserreich Großes und Gutes gebracht hat, aber mein Denken und Fühlen gehört der Gegenwart, gehört dem neuen Deutschland und der neuen Zeit.
In ihr wird sich immer mehr die Erkenntnis Bahn brechen, daß nicht die Gewalt, sondern das Recht; nicht der Degen, sondern der Geist; nicht das Gegeneinander, sondern das Füreinander — von Mensch zu Mensch und von Volk zu Volk — der Weisheit letzter Schluß ist.