Und dann fragt er, ob die Deutschen noch immer politisch mit den Händen an der Hosennaht als Untertanen dastehen oder endlich freie Staatsbürger werden wollen. Er liebt es zu sagen: >Daö Ganze sammeln!', und dabei blitzen seine Augen, als ob er schon in Ausführung dieses Befehls die Bataillone der Republik und des Friedens, schön ausgerichtet, vor sich sehen würde, und natürlich die Truppen der Reaktion in voller Auflösung, wenn sie überhaupt den Mut haben sollten, gegen die Armee der Republikaner den Kampf aufzunehmen.
Ein beneidenswerter alter Soldat. Er hat das unaussprechliche Glück, seine Leidenschaft als Soldat, als General, als Führer im Kampfe voll ausleben zu können und nicht tatenlos im Greifen- alter zu verdämmern oder mißmutig zur Seite zu stehen. Das macht ihn jung, und das schart auch die Jugend um ihn, die dem gleichen Ziel zustrebt."
Bald darauf machten mir die Berliner Jungdemokraten das Angebot, mich als Reichötagskandidaten aufzustellen. Auch die Chemnitzer wollten mich als Kandidaten haben, und der Parteivorstand war bereit, mir diesen sicheren Wahlkreis zu geben. Wie sollte ich aber, der ich nur Soldat bin, allen Ansprüchen genügen, die von den Wählern mit Recht an ihre Abgeordneten gestellt werden. Meine Vorstellungen von den Pflichten eines Abgeordneten sind so hohe, daß ich nach ernstlicher Selbstprüfung mich wegen meiner geringen Vertrautheit mit den großen wirtschaftlichen Fragen zu einer Ablehnung entschloß. Auch gibt es schon genug alte Herren im Reichstag, und heute gehört die Generation in die Parlamente, die im Schützengraben gestanden hat.
Das folgende Jahr brachte den Tod des Reichspräsidenten Ebert. Ein gehässiger Verleumdungsfeldzug der Reaktion hatte die Gesundheit dieses fein empfindenden Mannes untergraben, und am 28. Februar 1925 ist er an den Folgen einer Blinddarmentzündung gestorben. Tief und echt war die allgemeine Trauer um diesen Sohn unseres Volkes, unter dessen weiser Führung auf den Trümmern des Weltkrieges der Neubau deö Reiches errichtet werden konnte.
Sechs Wochen darauf wurde Feldmarschall Hindenburg zum Nachfolger Eberts gewählt. Ich habe damals meine Stimme dem Gegenkandidaten Marx gegeben. Aber ich muß heute bekennen, daß
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