sich unser Blick an die langsam entschwindenden Konturen der Heimat. Neben mir blickte ein neuer Freund, mit den Vorderfüßen auf der Reling, ins Weite. Freunde hatten mir einen schönen deutschen Schäferhund „Moritz" mit auf die Reise gegeben. Er wurde mein treuester Begleiter draußen in Südafrika. Sein Bild hängt heute noch in meinem Arbeitszimmer.
Für mich badischen Binnenländer war die Seereise eine große Sache. Während der Nacht passierten wir den Kanal und konnten nur die Blinkfeuer der englischen Küste sehen. Auch Cherbourg war nur durch den Feldstecher zu erkennen. Dann waren nur Himmel und Wasser um uns. Wir freuten uns über jeden Dampfer, der Abwechslung in die endlose Eintönigkeit brachte, die allein von dem Wettlauf der Tümmler, die unserem Schiff folgten, belebt wurde.
Die „Aachen" hatte als Frachtdampfer durchaus nicht den Komfort, der heute die Passagierdampfer zu schwimmenden Hotels macht. Meine Kabine erinnerte peinlich an eine militärische Arrestzelle: ein schmales Bett, spartanische Waschvorrichtung, ein kleiner Tisch und eine Bank, die „Moritz" für sich mit Beschlag belegte. Eine verständliche Rache des Schicksals! Warum sollte ich als Kommandeur, der so manchen Untergebenen ins Kittchen verdonnert hatte, nicht auch einmal erfahren, wie einem in solchem Loch zumute ist. Aber über meiner Kabine war noch dazu die Kommandobrücke, wo die ganze Nacht Seemannsstiefel herumpolterten und Pfiffe mit Kommandos abwechselten. Nach rascher Gewöhnung habe ich doch unter dem Einfluß der herrlichen Seeluft geschlafen wie ein Bär und bin immer, ehe wir uns den Tropen näherten, hungrig wie ein Wolf aufgewacht. Glücklicherweise war die Verpflegung für Offizier und Mann ausgezeichnet, für meinen Bedarf sogar überreichlich.
Je weiter wir nach Süden kamen, desto mehr wich daS unfreundliche, kühle Wetter einer wohltuenden Wärme. Ein harter Brocken wurde uns noch in der Biökaya vorgesetzt. Das Schiff begann bedenklich zu schaukeln, die Pferde wurden unruhig, die Mannschaften grünlich und blaß. Mit wissendem Lächeln legten die Stewards Schlingerleisten auf die Tische des Eßraums, damit sich die Teller nicht selbständig machten. Manchen Tischgenossen sah ich plötzlich mit dem Taschentuch vor dem Mund in unfeiner Eile
54