aus der Messe verschwinden. Auch die Mannschaften blickten wieder krampfhaft über Bord, obwohl die graue, schäumende See so nahe Betrachtung gar nicht lohnte. Vor dem Meergott gibt es keine Unterschiede militärischer Chargen, das mußte ich an mir selber erleben. Wie gerne hätte ich die Zähne weniger energisch zusammengebissen und wäre auch einmal als Mensch unter Menschen an die Reling getreten. Aber alles ging gut, bis sich mein Adjutant beim Frühstück Spickaal geben ließ. Den Anblick so glatter Sachen vertrug meine Konstitution nicht mehr. Ganz rasch ging ich an Deck und machte einen Gewaltmarsch hin und her, bis ich sicher war, keinem Spickaal mehr zu begegnen. Bald aber wurde daS Meer wieder friedfertig. Seine wunderbare blaue Färbung mit dem glitzernden Weiß der Wogenkämme war ein so überwältigender Anblick, daß wir die Prüfungen der Biskaya rasch vergaßen.
Als wir uns der Insel Madeira näherten, tauchten Schwärme fliegender Fische aus der Tiefe auf, Delphine schoflen in unübertrefflicher Eleganz hin und her, und ein Haifisch umkreiste stundenlang unser Schiff. Im Interesse unseres Munitionsbestandes mußte ich kriegerische Unternehmungen gegen dieses unsympathische Tier verbieten.
Am nächsten Morgen, den 8. Juni, ging die „Aachen" im Hafen von Funchal, der Hauptstadt von Madeira, vor Anker. Ein wunderbarer Anblick, wie sich die grüne Insel aus dem tiefblauen Meer erhebt. Während das Schiff kohlte und die Verpflegung in viel versprechender Weise ergänzte, konnten wir an Land gehen und uns endlich die Beine ordentlich vertreten. Mit ein paar Kameraden fuhr ich mit der Zahnradbahn auf den Belmonte, der einen herrlichen Überblick über die ganze Insel gewährt, mit ihren farbenglühenden Gärten, den Palmen, Kamelienbäumen, der ganzen betörenden Pracht tropischen Pflanzenwuchses.
Von der Höhe des Berges rutschten wir auf den landesüblichen Schlitten zu Tal. Alle Straßen in Funchal find nämlich mit kleinen, glatten Steinen gepflastert, die daS Meer an den Strand spült. Bergauf ziehen Ochsen diese Schlitten, während sie den Berg hinunter von selber gleiten, geschickt von ihren Führern gesteuert. Wagen sind daher ganz unnötig in Funchal. Heute aber wird wohl trotzdem der Ford den Ochsenschlitten verdrängt haben.
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