umzugehen verstand und von Rinderpest und Dürre verschont blieb, so konnte er ganz gut vorwärtskommen. Im Süden hatte sich auch die Schafzucht erfolgreich entwickelt.
Abnehmer für ihre Produkte fanden die Farmer in der Schutztruppe, oder sie verkauften lebendes Vieh nach der Kapkolonie. Heutzutage hat sich ihre Wirtschaftslage durch die Anlage von Kühlhäusern in Walfischbai, durch eine Fleischextraktfabrik der Liebiggesellschaft in Okahandja und durch zahlreiche Molkereien verbessert, aber auch zu unserer Zeit konnte der Farmer ein ziemlich beschauliches und auskömmliches Leben führen, wenn ihm eine tüchtige Frau zur Seite stand und er sich von dem afrikanischen Hauptlaster, dem Suff, fernhielt.
Neben den Diamantenfeldern kam auch dem Bergbau Bedeutung zu. Bei Tsumeb wurden im Gebiet der Otawi-Gesellschaft Kupfer, Blei und Silber in einer modernen Hüttenanlage gewonnen.
Die Frage der Eingeborenen war recht schwierig, weil wir es mit sechs verschiedenen Arten von sehr unterschiedlichem Charakter zu tun hatten. Die Ovambos im Norden, die HereroS in der Mitte, die Hottentotten im Süden, die Buschmänner in der Kalahari, die Mischlingsrasse der Bastards hauptsächlich um Rehoboth und die Bergdamaras oder Klippkaffern, die zerstreut zwischen Hereros und Hottentotten wohnten.
Die Ovambos, die auf 60000 Seelen geschätzt wurden, sind fleißige Ackerbauern. Zu Beginn des Aufstandes haben Teile von ihnen unsere nördlichste Station Namutoni überfallen und sich blutige Köpfe geholt. Seitdem hielten sie Ruhe.
Die Hereros sind stattliche, schlanke Kerle von tiefem Schwarz bis Schokoladenbraun. Gestalten von 1,90 m sind keine Seltenheit. Unter den 100000 Hereros gab es etwa 8000 Krieger, sogenannte „Orlogmänner", die meist mit Hinterladern ausgerüstet waren. In ihrem „Kirri", einer Art von Keule, die auch als Wurfgeschoß dient, hatten sie eine weitere gefährliche Waffe. Zu Beginn deS Ausstandes besaßen sie ungeheure Mengen von Rindvieh und zogen als Nomaden von einer Wasserstelle zur andern. In diesem Reichtum an Vieh lag aber auch eine militärische Schwäche, denn die großen Herden machten sie im Vergleich zu den überaus flüchtigen Hottentotten recht schwer beweglich. Ihre Orlogmänner waren
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