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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
Entstehung
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Nachdem ich durch Ochsenwagen zwei Wasserdepots auf 45 und 70 kni vorgeschoben hatte zum Transport dieses Wassers mußten die Offiziere, natürlich auch ich, die tropensicheren Blech­koffer hergeben, entschloß ich mich zum Vorstoß in das Sand­feld mit drei Kompagnien und einer Batterie. Da der Pferdebestand nach den Anstrengungen der letzten Wochen sehr zusammen­geschmolzen war, konnte ich nur noch eine Abteilung von fünfzig Berittenen formieren. Alles andere mußte im Fußmarsch folgen. Die Geschütze wurden mit Ochsen bespannt. Die Marschleistungen der Truppe waren trotz der dürftigen Verpflegung der vergangenen Zeit und trotz sehr verbrauchter Fußbekleidung ausgezeichnet. Am dritten Tage war die Durststrecke durchquert, aber wir fanden das Nest schon verlassen. In großer Hast war der Gegner unter Jurück- lassung eines Teils seines Viehs nach Osten abgezogen.

Als eine Offizierpatrouille seinen Verbleib an einer 45 km entfernten Wasserstelle erkundet hatte, nahmen wir die Verfolgung sofort wieder auf und stießen am 9. Oktober auf die gemeldeten Hererowerften. Zahlreicher Feind besetzte eine weiter östlich gelegene Höhe und eröffnete das Feuer. Als aber unsere beiden Geschütze ein paar gutsitzende Schrapnells in die feindlichen Reihen gesandt hatten, wich der Gegner weiter nach Osten aus. Eine Verfolgung war aus Mangel an Berittenen unmöglich.

Wir hatten jetzt schon Gebiete betreten, die wohl noch nie der Fuß eines Weißen berührt hatte, die völlig unerforscht und die auf der Karte nur als geheimnisvoller weißer Fleck ohne Namen zu finden waren. Voreilig nannten wir unsere letzte Wasserstelle Orlogsende".

Wir hatten uns getäuscht, wenn wir ein rasches Ende des Feld­zugs nach der Niederwerfung der Hereroö erhofften. Schon Anfang Oktober waren bedrohliche Nachrichten aus dem Süden des Schutz­gebiets eingelaufen, die von einer Gärung unter den Hottentotten sprachen. Nun erhielten wir Mitte Oktober die Trauerbotschaft, daß die Hottentotten deutsche Farmer ermordet und den Distriktschef von Gibeon, Hauptmann von Burgsdorf, erschossen hatten.

Der Oberkommandierende, Generalleutnant von Trotha, ordnete an, daß gegen die HereroS im Norden das i. Feldregiment verbleiben sollte, um das Sandfeld abzusperren, während ich mit meinem

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