hundert seiner Leute auf unserer Seite. Nach Ausbruch des Hottentottenaufstandes wurden sie entwaffnet und in Togo interniert.
Für uns kam es ganz unerwartet, daß dieser rätselhafte Mann im Oktober 1904 die anderen Hottentottenstämme formell zur Erhebung gegen die deutsche Schutzherrschaft aufrief und die in seinem Lande lebenden Weißen ermorden ließ, als erstes Opfer den Bezirksamtmann von Burgsdorf in Gibeon.
Anfang Oktober waren zwei Witbois bei Burgsdorf erschienen und hatten ihm berichtet, daß Kapitän Hendrik der deutschen Regierung nicht mehr folgen wolle. Der einzige Mensch, der ihn noch umstimmen könne, sei Burgsdorf. Sofort ritt Burgsdorf un- bewaffnet mit den beiden Hottentotten nach Rietmont, dem Wohnsitz Hendriks, um seinen Einfluß auf den Alten zur Geltung zu bringen. Als er in Mariental bei Rietmont ankam, fragten ihn die versammelten Eingeborenen, ob er wisse, daß jetzt Aufstand sei. Er hatte diese Frage kaum bejaht, als er hinterrücks von einem Hottentotten erschossen wurde. Burgsdorf fiel als Opfer seines Vertrauens zu einem Menschen, dem er immer nur Gutes erwiesen hatte.
Übrigens sind nicht alle Hottentottenkapitäne Hendriks Aufforderung zur Erhebung gefolgt. Unbedingt schlössen sich dem Aufstand nur die Franzmann-Hottentotten unter Simon Copper an. Nach einigem Zögern folgten „die rote Nation" und die „Feldschuhträger", während die Kapitäne deS westlichen Nama- landes (Nordbethanier- und Berseba-Hottentotten) dem Bezirksamtmann von Keetmanshoop ihre Treue versicherten. Der Kapitän der Bastards, Hermanus van Wyk, übergab sogar die Aufforderung Witbois zum Abfall dem Gouverneur.
Über die Gründe des HottentottenaufstandeS lassen sich nur Vermutungen anstellen. Es ist nicht anzunehmen, daß die Aktion von langer Hand vorbereitet war, denn sonst hätte Hendrik Witboi wohl gleichzeitig mit den Hereros losgeschlagen und nicht erst, nachdem uns ein entscheidender Schlag gegen diesen Gegner geglückt war.
Die stärkste Triebfeder scheint ein Kaffer Stürmann aus der Kapkolonie gewesen zu sein, der sich in dieser Zeit bei Hendrik als Prophet der „Äthiopischen Kirche" eingeführt hatte. Diese religiöse Bewegung vertritt die politische Forderung bei allen Eingeborenenstämmen: „Afrika für die Farbigen." Der Prophet verkündete, daß
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