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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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Weißen gegenüber, die in seine Hände fielen, hat er sich anständig, ja manchmal großmütig benommen. Dieser fähige Räuberhaupt­mann war der Kristallisationspunkt für alle unzufriedenen und beutelustigen Elemente des Südens. Von allen Seiten, auch aus der Kapkolonie, strömte ihm verwegenes Gesindel zu.

Während wir am Waterberg gegen die Hereros kämpften, hatte die Abteilung Lengerke manchen harten Strauß mit Morenga aus- zufechten. So wurde im Oktober die 8. Kompagnie bei Wasserfall am Westrand der Großen KarraSberge bei Tagesanbruch in ihrem Lager überraschend von Morenga angegriffen. Der Überfall wurde zwar zurückgeschlagen, aber die Kompagnie verlor fast alle Pferde, die während des Kampfes entlaufen waren. Am nächsten Tage erhielt der Kompagnieführer einen Brief von Morenga, der ihn ersuchte, in Zukunft seine Pferde besser zu füttern, denn so abgemagerte Schinder könne er nicht gebrauchen.

Das Heranziehen der Abteilung Lengerke zu dem von mir ge­planten Vorstoß gegen Hendrik Witboi kam jedenfalls nicht in Frage. Die Lage im Süden war noch zu wenig geklärt. Auch waren diese Truppen durch eine Entfernung von 600 km von mir getrennt. Mir blieb nichts anderes übrig als zu warten, bis meine Truppen aus Windhuk nachkamen. Am 16. November traf endlich die 4. Kom­pagnie in Rehoboth ein. Achtzig Mann Ersatz hatten eingestellt werden müssen, und fast alle Pferde waren neu, die Hälfte davon Afrikaner, zum Teil erst zweijährig. Der Hererofeldzug hatte die Truppenbe- stände zusammenschmelzen lassen, weniger durch Gefechtsverluste als durch Krankheiten.

Auf das Herankommen der anderen Truppen wollte ich nicht warten, sondern ich marschierte nach zwei Ruhetagen mit der 4. Kom­pagnie nach Kub ab, wo die 2. Kompagnie des 1. Feldregiments, die halbe 2. Ersatzkompagnie und eine halbe Gebirgsbatterie unter dem Kommando des Hauptmanns von Krüger zum Schutz des Magazins vereinigt waren.

Nach dreitägigem Marsch bei einer Riesenhitze sind wir die letzte Nacht vor Kub mit wenigen Pausen durchgeritten. Gegen 5 Uhr morgens trennte ich mich mit meinem Stab von der Kompagnie, um vorauszureiten. Nach einer Stunde hörten wir plötzlich aus der Richtung von Kub heftiges Gewehrfeuer. Da kommt auch schon

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