sind, vorgesandt. Sie stieß vor Rietmont auf überlegenen Feind. In dem sich entspinnenden Gefecht fielen Marwitz und fünf Mann, während der zweite Offizier, Leutnant Auer von Herrenkirchen, trotz seiner Verwundung, den Rest der Patrouille nach Dabib zurückführen konnte. Auch die anderen Patrouillen konnten ihre Aufträge nicht durchführen. Die Hottentotten waren eben Meister des Kleinkriegs, sie kannten jeden Schlupfwinkel und schössen die Reiter ab, ehe sie überhaupt zur Gegenwehr kamen. Jede Aufklärung war so gewissermaßen ein Todesritt. Trotzdem drängten sich Offiziere und Reiter dazu.
Nachdem die 5. Kompagnie am 4. Dezember vormittags eingetroffen war, nahm ich noch am selben Tage den Vormarsch wieder auf. Wir waren jetzt alles in allem zoo Gewehre und 7 Geschütze stark.
Schon nach zwei Stunden erhielten wir bei Naris Feuer. Der Feind hatte sich sehr geschickt mit 2—zoo Mann in den Felsklippen an der Wasserstelle eingenistet, so daß er kaum zu erkennen war, obwohl die Geschosse nur so zu unS herüberpfiffen. Nach dreistündigem Gefecht, in das auch die Artillerie eingriff, wurde der Gegner geworfen und ging auf Rietmont zurück. Während der Nacht biwakierten wir an der Wasserstelle.
Sehr früh am nächsten Morgen marschierten wir weiter auf Rietmont. Aber unsere Hoffnung, daß sich uns Hendrik Witboi an seinem Stammsitz zum Kampf stellen würde, erwies sich als trügerisch. Die Hottentotten waren panikartig geflüchtet. Nicht nur 15000 Stück Vieh, sondern auch Waffen, Munition, Wagen und allerlei Gerät fielen in unsere Hand.
Ich suchte gleich das Lehmhauö mit den drei Eingängen auf, in dem Hendrik gehaust hatte. Der alte Kapitän mußte sehr plötzlich geflüchtet sein. Dicht am Eingang stand noch sein Lehnstuhl mit Decken und Fellen, wie er gerade benutzt worden war. Auf dem großen Tisch lagen seine Briefschaften, Patronen, Taschenuhr und seine Bibel. Auch mehrere Gewehre sowie erbeutete deutsche Offiziersdegen hatte er zurückgelassen. Selbst sein Sparkassenbuch war liegengeblieben. Wie ich daraus ersah, hatte er noch im September in die Sparkasse Gibeon 1600 Mark eingezahlt. Über seinem Bett hingen Bilder vom Kaiser und dem Gouverneur Leutwein.
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