Neben Hendriks Haus stand das Missionshaus, in dem der Missionar Holzapfel wohnte. Ihn hatte Hendrik vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder bei Ausbruch des Aufstandes erschießen lassen.
Die Spuren des Feindes wiesen auf Kalkfontein, das wir ohne feindliche Gegenwehr am 6. Dezember erreichten. Wohl oder übel mußte ich jetzt eine Pause in den Operationen eintreten lassen, da Proviant und Munition knapp geworden waren. Ich ließ ein Detachement, bestehend aus drei Kompagnien und einer Batterie, unter Führung des Majors Meister in Kalkfontein, während ich eine Kompagnie mit der GebirgSbatterie nach Rietmont zurücksandte. Ich selbst begab mich mit dem Stab nach Gibeon, wo eine Heliographenstation Verbindung mit meinen weit getrennten Abteilungen hatte.
Vor dem Abmarsch von Kalkfontein hatte ich einen kleinen Unfall, der mir in der Folge viele Schmerzen und manche schlaflose Nacht bereiten sollte. Mein Moritz hatte sich einen Fuß beschädigt und war darum mit einem Riemen um den Hals auf einer EselS- karre festgebunden worden. Mich sehen, ein Freudengeheul aus- stoßen und mit einem Satz vom Wagen herunterspringen war eins. Aber schon baumelte der arme Hund mit dem Riemen um den Hals in der Luft. Ich sprang gleich zu, blieb aber mit dem Fuß in einem Loch hängen und stürzte so unglücklich auf die rechte Schulter, daß ich mir einen Knochen ansplitterte. Es tat scheußlich weh, und ich mußte den Arm in der Binde tragen. Moritz wurde aus seiner verzweifelten Lage noch rechtzeitig durch meinen Burschen befreit.
In Gibeon kam ich in der Wohnung des ermordeten Bezirkö- amtmannes von Burgsdorf unter. Die unglückliche Witwe war gerade Tags zuvor nach Windhuk abgereist, um in die Heimat zurückzukehren. Mit Behagen ließen wir uns die Gibconer Kulturluft um die Nase wehen. In einem Store gab es sogar Rotwein und Selterwasser zu kaufen.
Beunruhigende Nachrichten kamen von unserer nur schwach besetzten Station Maltahöhe, die von bisher neutral gebliebenen Nordbethanier-Hottentotten unter Cornelius, einem Schwiegersohn von Hendrik Witboi, bedroht wurde. Die Aufständischen wurden auf 150—200 Gewehre geschätzt, und ich mußte rasch handeln,
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