beiden Seiten nach. Ein Zustand fast bewußtloser Erschöpfung lag über unseren Reihen.
Da, als die Not am größten war, kam die Rettung. Durch das Versprechen hoher Belohnungen hatte Major Meister eingeborene Ochsentreiber veranlaßt, weiter rückwärts in dem ausgetrockneten Flußtal nach Wasser zu suchen. Einem Eingeborenen war es gelungen, eine Rinne mit angestautem Regenwasser zu entdecken. Ein Wasserwagen wurde im feindlichen Feuer zur Truppe vorgeführt. Als die ersten Waffersäcke in die Schützenlinie gebracht und becherweise verteilt wurden, da kehrte die alte Entschlossenheit bei den ermatteten Leuten zurück. Ein Offizier erzählte mir später, daß dieses Wasser wie Kartoffelsuppe ausgesehen und doch köstlicher geschmeckt habe als das schönste Glas Pilsener in der Heimat.
Am Abend des z. Januar war aus weiter Ferne der Kanonendonner des Gefechts der Abteilung Ritter gegen die Simon-Copper- Leute zu hören. Neue Hoffnung auf Rettung belebte alles. Trotz der hereinbrechenden Dunkelheit wurde das Feuer wieder lebhafter und verstummte erst nach Mittemacht.
Gegen Morgen war lautes Schimpfen in den Schanzen des Gegners zu hören. Zu ihrer freudigen Überraschung bemerkten unsere Leute, daß der Feind in der linken Flanke verschwunden war.
Die Ursache dieser unerwarteten Veränderung wurde erst allmählich klar. Der „Prophet" Stürmann hatte bestimmt damit gerechnet, daß die Abteilung Meister während der Nacht versuchen würde, abzuziehen und eine rückwärtige Wasserstelle zu erreichen. Darum veranlaßte der „Prophet" den alten Hendrik Witboi, mit seinen Leuten der deutschen Truppe auf der Pad bei Stampriet- fontein den Rückzug zu verlegen. Die erste Freude über die Räumung der Dünen wich bald der Erkenntnis der ungeheuren Gefahr, nun eingekeilt zwischen zwei feindlichen Linien zu verdursten.
In dieser verzweifelten Lage faßte Major Meister den Entschluß, die feindliche Stellung zu erstürmen und die dahinter gelegene Wasserstelle Groß-Nabas in Besitz zu nehmen. Lieber ein schnelles Ende als unter den Todesqualen des Verdurstens langsam dahinzusterben.
Meister versammelte die erreichbaren Offiziere um sich zur Befehlöauögabe. Sein Bericht sagt: „Oberleutnant Grüner war so
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